BVerwG, 01.02.2012 - BVerwG 8 C 24.11 - Rechtfertigung einer generellen Höchstaltergrenze zur Sicherstellung eines geordneten Rechtsverkehrs bei Bestellung und Vereidigung von Sachverständigen

Bundesverwaltungsgericht
Urt. v. 01.02.2012, Az.: BVerwG 8 C 24.11
Gericht: BVerwG
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 01.02.2012
Referenz: JurionRS 2012, 11859
Aktenzeichen: BVerwG 8 C 24.11
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

VG München - 11.03.2008 - AZ: M 16 K 07.2565

VGH Bayern - 28.01.2009 - AZ: 22 BV 08.1413

BVerwG - 26.01.2011 - AZ: BVerwG 8 C 46.09

BVerfG - 24.10.2011 - AZ: 1 BvR 1103/11

Rechtsgrundlagen:

§ 8 Abs. 1 AGG

§ 10 AGG

Art. 2 Abs. 5 RL 2000/78/EG

Art. 4 Abs. 1 RL 2000/78/EG

Art. 6 Abs. 1 RL 2000/78/EG

Fundstellen:

BVerwGE 141, 385 - 393

ArbRB 2012, 146-147

AUR 2012, 175-177

BauR 2012, 996

BauSV 2012, 79

BayVBl 2012, 638-640

DB 2012, 806-807

DÖV 2012, 529

DS 2012, 124-126

DVBl 2012, 626-629

DVBl 2012, 3

GewArch 2012, 114-115 (Pressemitteilung)

GewArch 2012, 203-205

GuG 2012, 309-311

GuG 2012, 31

IBR 2012, 233

ImmWert 2012, 46-47

KfZ-SV 2012, 28-30

Life&Law 2012, 663-669

LKV 2012, 4 (Pressemitteilung)

NJ 2012, 9-10

NJW 2012, 1018-1020

NJW-Spezial 2012, 205

NWB 2012, 545

NWB direkt 2012, 157

NZA 2012, 12

RDV 2012, 85

RÜ 2012, 314-318

StuB 2012, 375

ZIP 2012, 6

Amtlicher Leitsatz:

  1. 1.

    Das mit der öffentlichen Bestellung und Vereidigung von Sachverständigen verfolgte Ziel, einen geordneten Rechtsverkehr sicherzustellen, ist kein legitimes Ziel nach § 10 AGG i.V.m. Art. 6 Abs. 1 der RL 2000/78/EG, das eine generelle Höchstaltersgrenze rechtfertigen könnte.

  2. 2.

    Das Lebensalter steht nicht im Sinne von § 8 Abs. 1 AGG i.V.m. Art. 4 Abs. 1 der RL 2000/78/EG in innerem Zusammenhang mit einer besonderen Anforderung an die Art der beruflichen Betätigung eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen in den Sachgebieten "EDV im Rechnungswesen und Datenschutz" sowie "EDV in der Hotellerie".

  3. 3.

    Die Festlegung einer Höchstaltersgrenze in einer Sachverständigenordnung dient jedenfalls in den vorgenannten Sachgebieten nicht im Sinne von Art. 2 Abs. 5 der RL 2000/78/EG den Erfordernissen der öffentlichen Sicherheit, der Verhütung von Straftaten oder dem Schutz der Rechte und Freiheiten anderer.

In der Verwaltungsstreitsache
hat der 8. Senat des Bundesverwaltungsgerichts
auf die mündliche Verhandlung vom 1. Februar 2012
durch
den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht
Prof. Dr. Dr. h.c. Rennert,
die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Dr. von Heimburg,
den Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Deiseroth und
die Richterinnen am Bundesverwaltungsgericht Dr. Hauser und Dr. Held-Daab
für Recht erkannt:

Tenor:

Die Urteile des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 28. Januar 2009 und des Bayerischen Verwaltungsgerichts München vom 11. März 2008 werden geändert. Die Beklagte wird unter Aufhebung ihrer Bescheide vom 1. März 2007 und vom 24. Mai 2007 verpflichtet, über den Antrag des Klägers vom 12. Januar 2007 auf erneute öffentliche Bestellung und Vereidigung als Sachverständiger für die Sachgebiete "EDV im Rechnungswesen und Datenschutz" sowie "EDV in der Hotellerie" unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichts neu zu entscheiden.

Die Beklagte trägt die Kosten des Verfahrens.

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