BVerfG, 21.04.2015 - 2 BvR 1989/12 - Verfassungsrechtliche Anforderungen an die Einführung von Einstellungshöchstaltersgrenzen im Öffentlichen Dienst

Bundesverfassungsgericht
Beschl. v. 21.04.2015, Az.: 2 BvR 1989/12
Gericht: BVerfG
Entscheidungsform: Beschluss
Datum: 21.04.2015
Referenz: JurionRS 2015, 16796
Aktenzeichen: 2 BvR 1989/12
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

BVerwG - 23.02.2012 - AZ: 2 C 79.10

VG Gelsenkirchen - 10.11.2010 - AZ: 1 K 5181/09

BVerwG - 19.07.2012 - AZ: 2 B 35.12 (2 B 26.11)

BVerwG - 26.03.2012 - AZ: 2 B 26.11

OVG Nordrhein-Westfalen - 02.12.2010 - AZ: 6 A 1695/10

VG Köln - 07.07.2010 - AZ: 3 K 5879/09

Rechtsgrundlagen:

§ 5 Abs. 1 S. 1 LBG

§ 6 Abs. 1 S. 1 LVO 2009

§ 52 Abs. 1 S. 1 LVO 2009

§ 84 Abs. 1 LVO 2009

Art. 12 Abs. 1 S. 1, 2 GG

Art. 33 Abs. 2 GG

Art. 33 Abs. 5 GG

Art. 6 Abs. 1 S. 1 RL 2000/78/EG

Hinweis:

Verbundenes Verfahren

Volltext siehe unter:
BVerfG - 21.04.2015 - AZ: 2 BvR 1322/12

Amtlicher Leitsatz:

Zu den verfassungsrechtlichen Anforderungen an die Einführung von Einstellungshöchstaltersgrenzen im Öffentlichen Dienst.

In den Verfahren
über
die Verfassungsbeschwerden
I. des Herrn B
- Bevollmächtigte: EGH Eifert Geerts Harting
Rechtsanwälte Partnerschaft,
Adolfstraße 10, 65185 Wiesbaden -
1. unmittelbar gegen
a) das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
vom 23. Februar 2012 - 2 C 79.10 -,
b) das Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen
vom 10. November 2010 - 1 K 5181/09 -,
c) den Bescheid der Bezirksregierung Düsseldorf
vom 2. Oktober 2009 - 47.02.05.10-47.7.02.4008 -,
2. mittelbar gegen
§ 6, § 52 Abs. 1 und § 84 Abs. 2 der Verordnung über die Laufbahnen der Beamten im Lande Nordrhein-Westfalen (Laufbahnverordnung - LVO) in der Fassung der Bekanntmachung vom 23. November 1995, zuletzt geändert durch Art. 1 der Verordnung vom 30. Juni 2009 (GVBl S. 381)
und Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand
-2 BvR 1322/12 -,
II. der Frau B ...
- Bevollmächtigte: CBH Rechtsanwälte, Cornelius,
Bartenbach, Haesemann & Partner,
Bismarckstraße 11-13, 50672 Köln -
1. unmittelbar gegen
a) den Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts
vom 19. Juli 2012 - 2 B 35.12 (2 B 26.11) -,
b) den Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts
vom 26. März 2012 - 2 B 26.11 -,
c) den Beschluss des Oberverwaltungsgerichts
für das Land Nordrhein-Westfalen
vom 2. Dezember 2010 - 6 A 1695/10 -,
d) das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln
vom 7. Juli 2010 - 3 K 5879/09 -,
e) den Bescheid der Bezirksregierung Köln
vom 14. August 2009 - 47.5-Pe -,
2. mittelbar gegen
§ 6 Abs. 1 Satz 1, § 52 Abs. 1 und § 84 Abs. 2 der Verordnung über die Laufbahnen der Beamten im Lande Nordrhein-Westfalen (Laufbahnverordnung - LVO) in der seit dem 18. Juli 2009 geltenden Fassung
- 2 BvR 1989/12 -
hat das Bundesverfassungsgericht - Zweiter Senat -
unter Mitwirkung der Richterinnen und Richter
Präsident Voßkuhle,
Landau,
Huber,
Hermanns,
Müller,
Kessal-Wulf,
König
am 21. April 2015 beschlossen:

Tenor:

  1. 1.

    Die Verfahren werden zur gemeinsamen Entscheidung verbunden.

  2. 2.

    § 6 Absatz 1 Satz 1, § 52 Absatz 1 und § 84 Absatz 2 der Verordnung über die Laufbahnen der Beamten im Lande Nordrhein-Westfalen vom 23. November 1995 (Gesetz- und Verordnungsblatt 1996 Seite 1) in der Fassung der Verordnung zur Änderung der Laufbahnverordnung und anderer dienstrechtlicher Vorschriften vom 30. Juni 2009 des Landes Nordrhein-Westfalen (Gesetz- und Verordnungsblatt Seite 381) sind mit Artikel 33 Absatz 2 des Grundgesetzes unvereinbar.

  3. 3.
    1. a)

      Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. Feb- ruar 2012 - 2 C 79.10 -, das Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen vom 10. November 2010 - 1 K 5181/09 - und der Bescheid der Bezirksregierung Düsseldorf vom 2. Oktober 2009 - 47.02.05.10-47.7.02. 4008 - verletzen den Beschwerdeführer zu I. in seinem Recht aus Artikel 33 Absatz 2 des Grundgesetzes. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts wird aufgehoben. Die Sache wird zur erneuten Entscheidung an das Bundesverwaltungsgericht zurückverwiesen.

      Im Übrigen wird die Verfassungsbeschwerde zurückgewiesen.

    2. b)

      Der Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 26. März 2012 - 2 B 26.11 -, der Beschluss des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen vom 2. Dezember 2010 - 6 A 1695/10 -, das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln vom 7. Juli 2010 - 3 K 5879/09 - und der Bescheid der Bezirksregierung Köln vom 14. August 2009 - 47.5-Pe - verletzen die Beschwerdeführerin zu II. in ihrem Recht aus Artikel 33 Absatz 2 des Grundgesetzes. Der Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts wird aufgehoben. Die Sache wird zur erneuten Entscheidung an das Bundesverwaltungsgericht zurückverwiesen. Damit wird der Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Juli 2012 - 2 B 35.12 (2 B 26.11) - gegenstandslos.

  4. 4.
    1. a)

      Dem Beschwerdeführer zu I. haben das Land NordrheinWestfalen zwei Drittel und die Bundesrepublik Deutschland ein Drittel seiner notwendigen Auslagen für das Verfassungsbeschwerdeverfahren zu erstatten.

    2. b)

      Der Beschwerdeführerin zu II. haben das Land Nordrhein-Westfalen drei Viertel und die Bundesrepublik Deutschland ein Viertel ihrer notwendigen Auslagen für das Verfassungsbeschwerdeverfahren zu erstatten.

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