BVerfG, 17.11.2009 - 1 BvR 2192/05 - Vereinbarkeit einer Teilregelung des § 36 Abs. 3 und Abs. 4 Körperschaftsteuergesetz (KStG) in der Fassung des Steuersenkungsgesetzes vom 23. Oktober 2000 (BGBl I Seite 1433) mit Artikel 3 Abs. 1 GG; Rechtfertigung der Hinnahme eines Verlusts des Körperschaftsteuerminderungspotentials mit dem Prinzip notwendiger und damit zulässiger Typisierung in Massenverfahren

Bundesverfassungsgericht
Beschl. v. 17.11.2009, Az.: 1 BvR 2192/05
Gericht: BVerfG
Entscheidungsform: Beschluss
Datum: 17.11.2009
Referenz: JurionRS 2009, 32198
Aktenzeichen: 1 BvR 2192/05
 

Fundstellen:

BVerfGE 125, 1 - 39

BB 2010, 534

BB 2010, 870-873

BFH/NV 2010, 803-814

BFH/PR 2010, 172

DB 2010, 425

DÖV 2010, 446

DStR 2010, 8

DStR 2010, 434-441

DStRE 2010, 387

DStZ 2010, 219-220

EStB 2012, 16

FR 2010, 472-479

GmbHR 2010, 368-375

HFR 2010, 521-527

KÖSDI 2010, 16866

NVwZ 2010, 6

NWB 2010, 640-641

NWB direkt 2010, 198-199

NZG 2010, 382

NZG 2010, 832-840

StC 2010, 9

StuB 2010, 203-204

WPg 2010, 370 (Pressemitteilung)

Verfahrensgegenstand:

Verfassungsbeschwerde
der P... AG
...

  1. 1.

    unmittelbar gegen

    1. a)

      das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 31. Mai 2005 - I R 107/04 -,

    2. b)

      den Gerichtsbescheid des Finanzgerichts München vom 9. September 2004 - 7 K 2991/03 -,

    3. c)

      den Feststellungsbescheid des Finanzamts München für Körperschaften vom 31. März 2004 - Steuernummer: ... -,

  2. 2.

    mittelbar gegen

    § 36 Abs. 3 und 4 KStG in der Fassung des Steuersenkungsgesetzes vom 23. Oktober 2000 (BGBl I Seite 1433)

Amtlicher Leitsatz:

Es ist mit Art. 3 Abs. 1 GG unvereinbar, dass die Übergangsregelungen vom körperschaftsteuerrechtlichen Anrechnungs- zum Halbeinkünfteverfahren bei einzelnen Unternehmen zu einem Verlust von Körperschaftsteuerminderungspotential führen, der bei einer anderen Ausgestaltung des Übergangs ohne Abstriche an den gesetzgeberischen Zielen vermieden werden könnte.

In dem Verfahren
...
hat das Bundesverfassungsgericht - Erster Senat -
unter Mitwirkung
der Richterin und Richter
Präsident Papier,
Hohmann-Dennhardt,
Bryde,
Gaier,
Eichberger,
Schluckebier,
Kirchhof,
Masing
am 17. November 2009
beschlossen:

Tenor:

  1. 1

    § 36 Absatz 3 und Absatz 4 Körperschaftsteuergesetz in der Fassung des Steuersenkungsgesetzes vom 23. Oktober 2000 (BGBl I Seite 1433) ist unvereinbar mit Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes, soweit diese Regelung zu einem Verlust des Körperschaftsteuerminderungspotentials führt, das in dem mit 45% Körperschaftsteuer belasteten Teilbetrag im Sinne des § 54 Absatz 11 Satz 1 des Körperschaftsteuergesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 22. April 1999 (BGBl I Seite 817), das zuletzt durch Artikel 4 des Gesetzes zur weiteren steuerlichen Förderung von Stiftungen vom 14. Juli 2000 (BGBl I Seite 1034) geändert worden ist, enthalten ist.

  2. 2

    Das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 31. Mai 2005 - I R 107/04 -, der Gerichtsbescheid des Finanzgerichts München vom 9. September 2004 - 7 K 2991/03 - und der Feststellungsbescheid des Finanzamts München für Körperschaften vom 31. März 2004 - Steuernummer 802/32110 - verletzen die Beschwerdeführerin in Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes. Das Urteil des Bundesfinanzhofs wird aufgehoben. Die Sache wird an den Bundesfinanzhof zurückverwiesen.

  3. 3

    Die Bundesrepublik Deutschland hat der Beschwerdeführerin die notwendigen Auslagen zu erstatten.

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