BVerfG, 11.08.2009 - 2 BvR 941/08 - Grenzen der Rechtsprechung bei der Auslegung und Anwendung des einfachen Rechts i.R.d. aus dem allgemeinen Gleichheitssatz folgenden Willkürverbots; Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht durch Videoaufzeichnung; Gesetzliche Grundlage für Geschwindigkeitsüberwachung

Bundesverfassungsgericht
Beschl. v. 11.08.2009, Az.: 2 BvR 941/08
Gericht: BVerfG
Entscheidungsform: Beschluss
Datum: 11.08.2009
Referenz: JurionRS 2009, 19846
Aktenzeichen: 2 BvR 941/08
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

AG Güstrow - 15.01.2007 - AZ: 971 OWi 343/06

OLG Rostock - 20.03.2008 - AZ: 2 Ss (OWi) 128/07 I 99/07

Fundstellen:

DAR 2009, 577-579

DÖV 2009, 866-867

DSB 2009, 19-20

DuD 2009, 625-627

DVBl 2009, 1237-1239

DVP 2010, 79

DVP 2010, 144

FStBW 2009, 852-853

FStNds 2010, 76-77

ITRB 2010, 7

JA 2010, 74-75

KomVerw/MV 2010, 177-179

MMR 2009, 798

NJ 2009, 480-481

NJW 2009, 3293-3294

NJW-Spezial 2009, 603

NStZ 2011, 26

NZV 2009, 618-620

RDV 2009, 222-224

StRR 2009, 356-357 (Volltext mit red. LS u. Anm.)

SVR 2009, 427-428

VRA 2009, 172

VRR 2009, 354-355

ZAP EN-Nr. 609/2009

zfs 2009, 589-592

Verfahrensgegenstand:

Verfassungsbeschwerde
des Herrn G ...

gegen

a)
den Beschluss des Oberlandesgerichts Rostock vom 20. März 2008 - 2 Ss (OWi) 128/07 I 99/07 -,

b)
das Urteil des Amtsgerichts Güstrow vom 15. Januar 2007 - 971 OWi 343/06 -,

c)
den Bußgeldbescheid des Landrates des Landkreises Güstrow vom 4. Mai 2006 - 88914294 -,

d)
die Eintragung von drei Punkten in das Verkehrszentralregister,

e)
die bevorstehende Vollstreckung der Bußgeldentscheidung,

f)
die Videoüberwachung an der BAB 19 Richtung Rostock, bei km 98

Redaktioneller Leitsatz:

Die Rechtsauffassung, die mittels einer Videoaufzeichnung vorgenommene Geschwindigkeitsmessung könnte auf einen Erlass eines Ministeriums gestützt werden, ist willkürlich und verstößt gegen Art. 3 Abs. 1 GG.

In dem Verfahren
...
hat die 2. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts
durch
die Richter Broß, Di Fabio und Landau
am 11. August 2009 einstimmig
beschlossen:

Tenor:

Das Urteil des Amtsgerichts Güstrow vom 15. Januar 2007 - 971 OWi 343/06 - und der Beschluss des Oberlandesgerichts Rostock vom 20. März 2008 - 2 Ss (OWi) 128/07 I 99/07 - verletzen den Beschwerdeführer in seinem Grundrecht aus Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes. Die Gerichtsentscheidungen werden aufgehoben. Die Sache wird an das Amtsgericht Güstrow zurückverwiesen.

Im Übrigen wird die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat dem Beschwerdeführer seine notwendigen Auslagen zu erstatten.

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