BVerfG, 10.06.2009 - 1 BvR 837/08 - Verfassungsmäßigkeit der Einführung des Basistarifs durch die Gesundheitsreform 2007 zur Sicherstellung eines lebenslangen, umfassenden Schutzes der Mitglieder der privaten Krankenversicherung; Vereinbarkeit der Vorschriften des Gesetzes zur Stärkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz - GKV-WSG) mit dem Grundgesetz; Zulässigkeit der Einrichtung einer teilweisen Portabilität der Alterungsrückstellungen durch den Gesetzgeber zur Erleichterung des Versicherungswechsels und zur Verbesserung des Wettbewerbs in der privaten Krankenversicherung; Rechtmäßigkeit des Ausdehnens der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenkasse auf ein dreijähriges Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze; Beobachtungspflicht des Gesetzgebers im Hinblick auf die Folgen der Reform für die Versicherungsunternehmen und den Versicherten; Voraussetzungen für eine Prämienerhöhung in der privaten Krankenversicherung; Sicherstellung eines Basisschutzes innerhalb der privaten Krankenversicherung; Zulässigkeit einer Prämienerhöhung bei einer Veränderung des kollektiven Risikos sowie bei einer Veränderung der Kostensituation im Gesundheitswesen; Anforderungen an ein Gesetz aus Parlamentsvorbehalt; Beeinträchtigung der privaten Versicherungsunternehmen in der Berufsfreiheit durch das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz; Vorliegen einer Unmöglichkeit einer sinnvollen Ausübung des Berufs eines privaten Krankenversicherers durch das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz; Rechtfertigung des Eingriffs in die Berufsausübungsfreiheit durch das Gemeinwohlinteresse; Zumutbarkeit desVersicherungszwang hinsichtlich einzelner zur Versicherung im Basistarif berechtigter Personengruppen; Faktisch lebenslange Bindung an einen Versicherer als ein von den Versicherungsnehmern bei Vertragsschluss akzeptierter Teil der Versicherungsbedingungen

Bundesverfassungsgericht
Urt. v. 10.06.2009, Az.: 1 BvR 837/08
Gericht: BVerfG
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 10.06.2009
Referenz: JurionRS 2009, 14829
Aktenzeichen: 1 BvR 837/08
 

Rechtsgrundlagen:

§ 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB V

§ 6 Abs. 9 S. 1 SGB V

§ 53 Abs. 1 SGB V

§ 221 SGB V

§ 257 Abs. 2 SGB V

§ 315 SGB V

§ 193 Abs. 5 VVG

§ 193 Abs. 6 VVG

§ 208 VVG

§ 12 Abs. 1 Nr. 5 S. 1 VAG

§ 12 Abs. 1a VAG

§ 12 Abs. 1c VAG

§ 12 Abs. 4b VAG

§ 2 Abs. 1 Nr. 6 Verordnung über die versicherungsmathematischen Methoden zur Prämienkalkulation und zur Berechnung der Alterungsrückstellung in der privaten Krankenversicherung (Kalkulationsverordnung - KalV)

§ 13 Abs. 5 KalV

Art. 3 Abs. 1 GG

Art. 12 GG

Art. 1 Nr. 3 Buchstabe a GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV- WSG) i.d.F.v. 26. März 2007

Fundstellen:

BVerfGE 123, 186 - 267

ZAP EN-Nr. 427/2009

Verfahrensgegenstand:

Verfassungsbeschwerden
1.
der V... AG,
- Bevollmächtigter:
Professor Dr. Helge Sodan,
Van't-Hoff-Straße 8, 14195 Berlin -
- 1 BvR 706/08 -,
2.
der A...
- Bevollmächtigter:
Professor Dr. Peter M. Huber,
Gistlstraße 141, 82049 Pullach i. Isartal
- 1 BvR 837/08 -,
3.
der A... AG,
- 1 BvR 814/08 -,
4.
der S... VaG,
- 1 BvR 832/08 -,
5.
der D... aG,
6. der Frau G...,
7. des Herrn H...,
8. des Herrn W...
- 1 BvR 819/08 -
- Bevollmächtigter zu 3. bis 8.:
Professor Dr. Gregor Thüsing,
Adenauerallee 8a, 53113 Bonn -
gegen
a)
§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V), geändert durch Art. 1 Nr. 3 Buchstabe a des Gesetzes zur Stärkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz - GKV- WSG) vom 26. März 2007 (BGBl I S. 378),
b)
§ 6 Abs. 9 Satz 1 SGB V, eingefügt durch Art. 1 Nr. 3 Buchstabe e GKV-WSG,
c)
§ 53 Abs. 1, 2, 4, 5, 6, 7 und 9 SGB V, eingefügt durch Art. 1 Nr. 33 GKV-WSG,
d)
§ 221 Abs. 1 SGB V, geändert beziehungsweise eingefügt durch Art. 1 Nr. 153 Buchstaben a, b GKV-WSG,
e)
§ 315 SGB V, eingefügt durch Art. 1 Nr. 213 GKV-WSG,
f)
§ 193 Abs. 5 des Gesetzes über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz - VVG), eingefügt durch Art. 11 Abs. 1 des Gesetzes zur Reform des Versicherungsvertragsrechts (VVG-ReformG) vom 23. November 2007 (BGBl I S. 2631),
g)
§ 193 Abs. 6 VVG, eingefügt durch Art. 11 Abs. 1 VVG-ReformG,
h)
§ 203 Abs. 1 Satz 2 und 3 VVG, eingefügt durch Art. 11 Abs. 1 VVG-ReformG,
i)
§ 204 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 in Verbindung mit Satz 3 VVG, eingefügt durch Art. 11 Abs. 1 VVG-ReformG,
j)
§ 204 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 in Verbindung mit Satz 3 VVG, eingefügt durch Art. 11 Abs. 1 VVG-ReformG ,
k)
§ 204 Abs. 1 Satz 2 in Verbindung mit Satz 3 VVG, eingefügt durch Art. 11 Abs. 1 VVG-ReformG,
l)
§ 206 Abs. 1 Satz 1 VVG, eingefügt durch Art. 11 Abs. 1 VVG-ReformG,
m)
§ 208 VVG, eingefügt durch Art. 11 Abs. 1 VVG-ReformG,
n)
§ 12 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 des Gesetzes über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen (Versicherungsaufsichtsgesetz - VAG), eingefügt durch Art. 44 Nr. 5 Buchstabe a GKV-WSG,
o)
§ 12 Abs. 1a, 1c VAG, eingefügt durch Art. 44 Nr. 5 Buchstabe b GKV-WSG,
p)
§ 12 Abs. 1b VAG, eingefügt durch Art. 44 Nr. 5 Buchstabe b GKV-WSG, geändert durch Art. 11 Abs. 2 VVG-ReformG,
q)
§ 12 Abs. 1d VAG, eingefügt durch Art. 44 Nr. 5 Buchstabe c GKV-WSG,
r)
§ 12 Abs. 4b VAG, eingefügt durch Art. 44 Nr. 5 Buchstabe d GKV-WSG,
s)
§ 12g VAG, eingefügt durch Art. 44 Nr. 7 GKV-WSG,
t)
§ 2 Abs. 1 Nr. 6 der Verordnung über die versicherungsmathematischen Methoden zur Prämienkalkulation und zur Berechnung der Alterungsrückstellung in der privaten Krankenversicherung (Kalkulationsverordnung - KalV), eingefügt durch Art. 45 Nr. 1 GKV-WSG,
u) § 5 Abs. 2 KalV, eingefügt durch Art. 45 Nr. 2 Buchstabe b GKV-WSG,
v)
§ 8 Abs. 1 Nr. 6, 7 KalV, geändert beziehungsweise eingefügt durch Art. 45 Nr. 3 GKV-WSG,
w)
§ 10 Abs. 1a KalV, eingefügt durch Art. 45 Nr. 4 GKV-WSG,
x) § 13 Abs. 5 KalV, eingefügt durch Art. 45 Nr. 6 GKV-WSG,
y)
§ 13a KalV, eingefügt durch Art. 45 Nr. 7 GKV-WSG

In dem Verfahren
hat das Bundesverfassungsgericht - Erster Senat -
unter Mitwirkung
der Richterin und Richter Präsident Papier, Hohmann-Dennhardt, Bryde, Gaier, Eichberger, Schluckebier, Kirchhof, Masing
aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 10. Dezember 2008
durchUrteil
für Recht erkannt:

Tenor:

Die Verfassungsbeschwerden werden zurückgewiesen.

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