BVerfG, 07.07.2009 - 1 BvR 1164/07 - Vereinbarkeit der Ungleichbehandlung von Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft im Bereich der betrieblichen Hinterbliebenenversorgung für Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes mit Zusatzversicherung bei der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) mit Art. 3 Grundgesetz (GG); Rechtfertigung der Privilegierung der Ehe mit einer Benachteiligung anderer Lebensformen mit dem bloßen Verweiß auf das Schutzgebot der Ehe gem. Art. 6 Abs. 1 GG; Heirat oder Begründung einer Lebenspartnerschaft als Voraussetzung für einen Anspruch für Witwenrente oder Witwerrente; Gemeinsame Adoption eines Kindes durch Lebenspartner; Unmittelbare Geltung des Gleichheitsgebots bzgl. der Satzung der VBL trotz privatrechtlicher Natur der Satzung; Strengere Anforderungen an die Ungleichbehandlung von Personengruppen mit Anknüpfung an Persönlichkeitsmerkmalen aufgrund der Gefahr einer Minderheitendiskriminierung; Eingetragende Lebenspartnerschaft als Versorgungsgemeinschaft; Ableitung eines typischen Unterhaltsbedarfs eines Hinterbliebenen aus dem Familienstand des Versicherten; "Versorgerehe" als Maßstab für die Zuweisung der Hinterbliebenenleistungen

Bundesverfassungsgericht
Beschl. v. 07.07.2009, Az.: 1 BvR 1164/07
Gericht: BVerfG
Entscheidungsform: Beschluss
Datum: 07.07.2009
Referenz: JurionRS 2009, 23705
Aktenzeichen: 1 BvR 1164/07
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Karlsruhe - 26.03.2004 - AZ: 6 O 968/03

OLG Karlsruhe - 21.10.2004 - AZ: 12 U 195/04

BGH - 14.02.2007 - AZ: IV ZR 267/04

nachgehend:

BVerfG - 22.02.2010 - AZ: 1 BvR 1164/07

BGH - 07.07.2010 - AZ: IV ZR 267/04

BVerfG - 29.08.2011 - AZ: 1 BvR 280/09

BGH - 14.12.2011 - AZ: IV ZR 267/04

Fundstellen:

BVerfGE 124, 199 - 235

ArbR 2009, 160

AuA 2009, 723

AuA 2010, 372

AuR 2009, 437

AUR 2009, 437

BB 2009, 2421

BFH/NV 2010, 1404

DB 2009, 2441-2442

DÖV 2010, 41

DStR 2010, 1141

DVBl 2009, 1510-1516

ErbStB 2010, 11

FamFR 2009, 152

FamRB 2009, 379-380

FamRZ 2009, 1977-1982

FF 2009, 501

FPR 2010, 240-248

FStBW 2010, 444-445

FStHe 2010, 423-424

FStNds 2010, 429-431

GV/RP 2010, 4-6

JA 2011, 74-76

JuS 2010, 561-562

JZ 2010, 37-41

MDR 2009, 1392

NJW 2010, 1439-1444

RÜ 2010, 111-114

SGb 2010, 24

Streit 2009, 170-173

V&S 2009, 12

VersR 2009, 1607-1613

VuR 2010, 73-74

VuR 2010, 119

ZAP EN-Nr. 752/2009

ZTR 2009, 642-646

Verfahrensgegenstand:

Verfassungsbeschwerde des Herrn D...
gegen
a) das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 14. Februar 2007 - IV ZR 267/04 -,
b) das Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 21. Oktober 2004 - 12 U 195/04 -,
c) das Urteil des Landgerichts Karlsruhe vom 26. März 2004 - 6 O 968/03 -

Amtlicher Leitsatz:

  1. 1.

    Die Ungleichbehandlung von Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft im Bereich der betrieblichen Hinterbliebenenversorgung für Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes, die bei der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder zusatzversichert sind, ist mit Art. 3 Abs. 1 GG unvereinbar.

  2. 2.

    Geht die Privilegierung der Ehe mit einer Benachteiligung anderer Lebensformen einher, obgleich diese nach dem geregelten Lebenssachverhalt und den mit der Normierung verfolgten Zielen der Ehe vergleichbar sind, rechtfertigt der bloße Verweis auf das Schutzgebot der Ehe gemäß Art. 6 Abs. 1 GG eine solche Differenzierung nicht.

In dem Verfahren
...
hat das Bundesverfassungsgericht - Erster Senat -
unter Mitwirkung
der Richterin und Richter Präsident Papier Hohmann-Dennhardt, Bryde, Gaier, Eichberger, Schluckebier, Kirchhof, Masing
am 7. Juli 2009
beschlossen:

Tenor:

  1. 1.

    Das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 14. Februar 2007 - IV ZR 267/04 -, das Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 21. Oktober 2004 - 12 U 195/04 - sowie das Urteil des Landgerichts Karlsruhe vom

    26. März 2004 - 6 O 968/03 - verletzen den Beschwerdeführer in seinem Grundrecht aus Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes, soweit sie die Klage auf Feststellung einer Verpflichtung der Beklagten zur Zahlung einer Rente, die der Hinterbliebenenrente nach § 38 der Satzung der Versicherungsanstalt des Bundes und der Länder entspricht, für unbegründet erachtet haben.

  2. 2.

    Das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 14. Februar 2007 - IV ZR 267/04 - wird in diesem Umfang aufgehoben. Die Sache wird insoweit an den Bundesgerichtshof zurückverwiesen.

  3. 3.

    Die Bundesrepublik Deutschland und das Land Baden-Württemberg haben dem Beschwerdeführer seine notwendigen Auslagen je zur Hälfte zu erstatten.

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