BVerfG, 02.03.2010 - 1 BvR 256/08 - Vereinbarkeit der Regelungen des Telekommunikationsgesetzes und der Strafprozessordnung über die Vorratsdatenspeicherung mit Art. 10 GG; Pflicht zur Gewährleistung einer hinreichenden Datensicherheit und Begrenzung der Verwendungszwecke der Daten; Möglichkeit der Erstellung eines aussagekräftigen Persönlichkeitsprofils und Bewegungsprofils durch die Speicherung von Telekommunikationsverkehrsdaten; Anforderungen an die zu treffenden Schutzvorkehrungen bezüglich der durch eine solche Speicherung geschaffenen Datenbestände; Verwendbarkeit der Daten für überragend wichtige Aufgaben des Rechtsgüterschutzes; Grundsatz der Offenheit der Erhebung und Nutzung von personenbezogenen Daten; Richtervorbehalt als Voraussetzung für die Übermittlung und Nutzung von gespeicherten Daten; Anforderungen an die mittelbare Nutzung der Daten zur Identifizierung von IP-Adressen; Verantwortlichkeit für die Ausgestaltung der Regelungen zur Sicherheit der gespeicherten und Übermittlung der Daten; Voraussetzungen der unmittelbaren Verwendung der gespeicherten Daten für die Strafverfolgung

Bundesverfassungsgericht
Urt. v. 02.03.2010, Az.: 1 BvR 256/08
Gericht: BVerfG
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 02.03.2010
Referenz: JurionRS 2010, 11428
Aktenzeichen: 1 BvR 256/08
 

Fundstellen:

BVerfGE 125, 260 - 364

AfP 2010, 132-133

AuR 2010, 179-180

AUR 2010, 179-180

BayVBl 2010, 758

BBK 2010, 302

BGBl I 2010, 272

Blätter 2010, 122-124

CR 2010, 232-247

DÖV 2010, 407

DSB 2010, 17

DuD 2010, 409-421

DVBl 2010, 503-509

EuGRZ 2010, 85-115

EuGRZ 2010, 115-119

EuGRZ 2010, 119-121

EuR 2011, 87-101

EuR 2011, 102

EuZW 2010, 280

FStBay 2010, 679-680

ITRB 2010, 74-76

ITRB 2010, 73

JA 2010, 391-393

JR 2010, 225-226

JuS 2010, 747

JZ 2010, 611-626

JZ 2010, 186

K&R 2010, 248-254

LGP 2010, 76

Life&Law 2010, 320-327

LKV 2010, 367

MMR 2010, 356-369

NJ 2010, 204-205

NJW 2010, 855-856

NStZ 2010, 341

NVwZ 2010, 770-771

RÜ 2010, 243-249

StV 2010, 281

VR 2010, 213

ZAP EN-Nr. 200/2010

ZAP EN-Nr. 0/2010

ZUM-RD 2010, 181-224

ZUM-RD 2010, 217-222

ZUM-RD 2010, 222-224

Hinweis:

Hinweis: Verbundenes Verfahren

Verbundverfahren:
BVerfG - 02.03.2010 - AZ: 1 BvR 263/08
BVerfG - 02.03.2010 - AZ: 1 BvR 586/08

Verfahrensgegenstand:

Verfassungsbeschwerden

  1. I.

    gegen
    die §§ 113a, 113b des Telekommunikationsgesetzes in der Fassung des Gesetzes zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG vom 21. Dezember 2007 (BGBl I S. 3198) - 1 BvR 256/08 -,

  2. II.

    gegen
    das Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG vom 21. Dezember 2007 (BGBI I S. 3198) - 1 BvR 263/08 -,

  3. III.

    gegen
    die Regelungen zur Vorratsdatenspeicherung im Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG vom 21. Dezember 2007 (BGBl I S. 3198) - 1 BvR 586/08 -

In dem Verfahren
...
hat das Bundesverfassungsgericht - Erster Senat -
unter Mitwirkung
der Richterin und Richter Präsident Papier, Hohmann-Dennhardt, Bryde, Gaier, Eichberger, Schluckebier, Kirchhof, Masing
aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 15. Dezember 2009
durch Urteil
für Recht erkannt:

Tenor:

  1. 1

    Die §§ 113a und 113b des Telekommunikationsgesetzes in der Fassung des Artikel 2 Nummer 6 des Gesetzes zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG vom 21. Dezember 2007 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 3198) verstoßen gegen Artikel 10 Absatz 1 des Grundgesetzes und sind nichtig.

  2. 2

    § 100g Absatz 1 Satz 1 der Strafprozessordnung in der Fassung des Artikel 1 Nummer 11 des Gesetzes zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG vom 21. Dezember 2007 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 3198) verstößt, soweit danach Verkehrsdaten nach § 113a des Telekommunikationsgesetzes erhoben werden dürfen, gegen Artikel 10 Absatz 1 des Grundgesetzes und ist insoweit nichtig.

  3. 3

    Die aufgrund der einstweiligen Anordnung vom 11. März 2008 im Verfahren 1 BvR 256/08 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 659), wiederholt und erweitert mit Beschluss vom 28. Oktober 2008 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 2239), zuletzt wiederholt mit Beschluss vom 15. Oktober 2009 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 3704), von Anbietern öffentlich zugänglicher Telekommunikationsdienste im Rahmen von behördlichen Auskunftsersuchen erhobenen, aber einstweilen nicht nach § 113b Satz 1 Halbsatz 1 des Telekommunikationsgesetzes an die ersuchenden Behörden übermittelten, sondern gespeicherten Telekommunikationsverkehrsdaten sind unverzüglich zu löschen. Sie dürfen nicht an die ersuchenden Stellen übermittelt werden.

  4. 4

    Die Bundesrepublik Deutschland hat den Beschwerdeführern ihre notwendigen Auslagen aus den Verfassungsbeschwerdeverfahren zu erstatten.

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