BGH, 31.05.2011 - VI ZR 154/10 - Auslegung des LugÜ I obliegt den deutschen Gerichten; Zuständigkeit deutscher Gerichte für die Auslegung des LugÜ I

Bundesgerichtshof
Urt. v. 31.05.2011, Az.: VI ZR 154/10
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 31.05.2011
Referenz: JurionRS 2011, 19469
Aktenzeichen: VI ZR 154/10
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG München I - 31.07.2009 - AZ: 28 O 8800/08

OLG München - 28.05.2010 - AZ: 5 U 4254/09

Rechtsgrundlagen:

Art. 13 Abs. 1 Nr. 3 LugÜ I

Art. 14 Abs. 1 Alt. 2 LugÜ I

§ 32 KWG

§ 545 Abs. 2 ZPO

Fundstellen:

BGHZ 190, 28 - 44

DB 2011, 8

EuZW 2011, 723-728

GWR 2011, 367

MDR 2011, 1198

NJW 2011, 2809-2814

PA 2011, 163

RIW/AWD 2011, 636-640

WRP 2011, 1183-1189 "Verfahrensrecht / Vertragsrecht: "Focus Fonds""

ZBB 2011, 294

ZIP 2011, 5-6

ZIP 2011, 1382-1387

Redaktioneller Leitsatz:

  1. 1.

    Die deutschen Gerichte sind für die Auslegung des Lugano Übereinkommens I zuständig.

  2. 2.

    Die Bgeründung des Verbrauchergerichtsstandes nach Art. 13 Abs. 1 Nr. 3 LugÜ I erfordert nicht, dass die Initiative zur Unterbreitung eines Angebots vom Unternehmer ausgegangen ist. Die Bestimmung setzt lediglich voraus, dass dem Verbraucher vor dem Vertragsabschluss ein Angebot unterbreitet worden ist, unabhängig davon, auf wessen Veranlassung dies geschehen ist.

  3. 3.

    Art. 13 Abs. 1 Nr. 3 LugÜ I erfordert nicht die Geltendmachung eines vertraglichen Anspruchs im engeren Sinne. Es genügt vielmehr, dass sich die Klage allgemein auf einen Vertrag bezieht und eine so enge Verbindung zu diesem Vertrag aufweist, dass sie von ihm nicht getrennt werden kann.

  4. 4.

    Sowohl ein auf Verschulden bei Vertragsschluss wegen Verletzung vorvertraglicher Aufklärungspflichten als auch ein auf einen Verstoß gegen das Kreditwesengesetz gestütztes Schadensersatzbegehren kann als Klage aus einem Vertrag im Sinne des Art. 13 Abs. 1 LugÜ I zu qualifizieren sein.

Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat
auf die mündliche Verhandlung vom 31. Mai 2011
durch
den Vorsitzenden Richter Galke,
den Richter Zoll,
die Richterin Diederichsen,
den Richter Pauge und
die Richterin von Pentz
für Recht erkannt:

Tenor:

Auf die Revision der Klägerin wird das Teilurteil des 5. Zivilsenats des Oberlandesgerichts München vom 28. Mai 2010 aufgehoben.

Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

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