BGH, 28.12.2011 - 2 StR 543/11 - Chronische und auf körperlicher Sucht beruhende Abhängigkeit als Voraussetzungen eines Hanges gemäß § 64 S. 1 StGB

Bundesgerichtshof
Beschl. v. 28.12.2011, Az.: 2 StR 543/11
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Beschluss
Datum: 28.12.2011
Referenz: JurionRS 2011, 33105
Aktenzeichen: 2 StR 543/11
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Bonn - 08.07.2011

Rechtsgrundlage:

§ 64 S. 1 StGB

Fundstelle:

BewHi 2012, 312-313

Verfahrensgegenstand:

Schwere räuberische Erpressung

Redaktioneller Leitsatz:

  1. 1.

    Erforderlich für einen Hang ist keine chronische, auf körperlicher Sucht beruhende Abhängigkeit; es genügt eine eingewurzelte, aufgrund psychischer Disposition bestehende oder durch Übung erworbene intensive Neigung, immer wieder berauschende Rauschmittel zu sich zu nehmen, wobei das Fehlen ausgeprägter Entzugssyndrome sowie ein gleich bleibendes Konsumverhalten dem nicht entgegenstehen.

  2. 2.

    Auch der Konsum des Heroins zum Zwecke der Schmerzmilderung schließt die Annahme eines Hanges zum übermäßigen Rauschmittelkonsum nicht aus.

Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbundesanwalts und des Beschwerdeführers am 28. Dezember 2011 gemäß § 349 Abs. 2 und 4 StPO beschlossen:

Tenor:

  1. 1.

    Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Bonn vom 8. Juli 2011 mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben, soweit das Landgericht von der Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt abgesehen hat.

  2. 2.

    Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere, allgemeine Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  3. 3.

    Die weitergehende Revision wird verworfen.

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