BGH, 27.10.2009 - XI ZR 337/08 - Zugrundelegung optimistischer Erwartung der Entwicklung einer Kapitalanlage der Anlageempfehlung; Erforderlichkeit hinausgehender Risikoabschläge für eine angemessene Darstellung des Risikos einer Anlage; Abhängigkeit des Inhalts und des Umfangs der Hinweispflicht von konkreten Risiken und dem individuellen Beratungsbedarf eines Anlegers

Bundesgerichtshof
Urt. v. 27.10.2009, Az.: XI ZR 337/08
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 27.10.2009
Referenz: JurionRS 2009, 25914
Aktenzeichen: XI ZR 337/08
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Frankfurt am Main - 04.11.2005 - AZ: 2/25 O 573/04

OLG Frankfurt am Main - 15.10.2008 - AZ: 23 U 348/05

Rechtsgrundlage:

§ 172 Abs. 4 HGB

Fundstellen:

BB 2009, 2601

BKR 2010, 35-38

EWiR 2010, 49

GWR 2009, 466

Kreditwesen 2010, 283-284

MDR 2010, 208-210

NJW-RR 2010, 115-118

NWB 2009, 3895

NWB direkt 2009, 1341

NZG 2009, 1393-1395

StX 2010, 45-46

VersR 2011, 74-76

VuR 2010, 146

WM 2009, 2303-2306

WPg 2010, 257

WuB 2010, 127-129

ZAP EN-Nr. 9/2010

ZBB 2010, 57

ZfIR 2010, 83

ZIP 2009, 2377-2380

Amtlicher Leitsatz:

  1. a)

    Auch eine optimistische Erwartung der Entwicklung einer Kapitalanlage darf einer Anlageempfehlung zugrunde gelegt werden, wenn die diese Erwartung stützenden Tatsachen sorgfältig ermittelt sind und die darauf gestützte Prognose der künftigen Entwicklung aus damaliger Sicht vertretbar ist. Darüber hinausgehende Risikoabschläge, die der einer Prognose innewohnenden Unsicherheit Rechnung tragen sollen, sind für eine angemessene Darstellung des Risikos der Anlage nicht erforderlich.

  2. b)

    Inhalt und Umfang der Hinweispflicht zum Risiko eines Totalausfalls hängen bei Empfehlung der Kapitalanlage in einen Immobilienfonds nicht schematisch von einer bestimmten Fremdkapitalquote des Fonds, sondern vielmehr von dessen konkreten Risiken und dem individuellen Beratungsbedarf des Anlegers ab, der sich nach dessen Wissensstand, seiner Risikobereitschaft und dem von ihm verfolgten Anlageziel bestimmt.

Der XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat
auf die mündliche Verhandlung vom 15. September 2009
durch
den Vorsitzenden Richter Wiechers und
die Richter Dr. Müller, Dr. Ellenberger, Maihold und Dr. Matthias
für Recht erkannt:

Tenor:

Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des 23. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 15. Oktober 2008 im Kostenpunkt und insoweit aufgehoben, als zum Nachteil der Beklagten entschieden worden ist.

Die Berufung des Klägers gegen das Urteil der 25. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt am Main vom 4. November 2005 wird auch im Übrigen zurückgewiesen.

Der Kläger hat die weiteren Kosten des Rechtsstreits zu tragen.

Diese Artikel im Bereich Zivilrecht, Prozess und Zwangsvollstreckung könnten Sie interessieren

V PLUS FONDS (V+) – ANLEGER OBSIEGEN VOR GERICHT

V PLUS FONDS (V+) – ANLEGER OBSIEGEN VOR GERICHT

München, 23.11.2016 – Hoffnung für Anleger von V Plus Fonds. CLLB Rechtsanwälte berichten von positiven Urteilen. mehr

GarantieHebelPlan ’08 - Fonds nimmt Klagen zurück!

GarantieHebelPlan ’08 - Fonds nimmt Klagen zurück!

CLLB Rechtsanwälte vertreten Anleger erfolgreich gegen Klagen von GarantieHebelPlan ’08. mehr

Verbraucherfreundliches Urteil für Bausparer – CLLB vertritt Bausparer bei der Durchsetzung von Ansprüchen

Verbraucherfreundliches Urteil für Bausparer – CLLB vertritt Bausparer bei der Durchsetzung von Ansprüchen

Bausparer profitieren vom aktuellen Urteil des BGH zur Unwirksamkeit von Darlehensgebühren in Bausparverträgen mehr