BGH, 27.01.2010 - XII ZR 22/07 - Pflicht eines Vermieters von Geschäftsräumen zur Durchführung der Nebenkostenabrechnung innerhalb einer angemessenen Frist; Analoge Anwendung des § 556 Abs. 3 S. 3 BGB auf die Geschäftsraummiete; Annahme einer konkludenten Änderung des Umfangs der vereinbarten Nebenkosten bei fehlender Abrechnung einzelner vereinbarter Nebenkostenpositionen durch den Vermieter über einen längeren Zeitraum

Bundesgerichtshof
Urt. v. 27.01.2010, Az.: XII ZR 22/07
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 27.01.2010
Referenz: JurionRS 2010, 10418
Aktenzeichen: XII ZR 22/07
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Köln - 01.06.2006 - AZ: 27 O 429/05

OLG Köln - 12.01.2007 - AZ: 1 U 34/06

Rechtsgrundlagen:

§ 556 Abs. 3 S. 3 BGB

§ 578 Abs. 2 BGB

§ 20 Abs. 3 S. 4 NMV

Fundstellen:

BGHZ 184, 117 - 128

BBB 2010, 52

DWW 2010, 178-181

EBE/BGH 2010, 61-64

GuT 2010, 26-29

ImmWert 2010, 46

Info M 2010, 172

Info M 2010, 125

Info M 2010, 124

IWR 2010, 76-77

JZ 2010, 282

MDR 2010, 496-498

MietRB 2010, 164

MK 2010, 59-60

MK 2010, 57-58

NJ 2010, 5

NJ 2010, 251-252

NJ 2011, 136

NJW 2010, 8

NJW 2010, 1065-1068

NJW-Spezial 2010, 258

NZM 2010, 5-6

NZM 2010, 240-243

RdW 2010, 421-423

StX 2010, 334-335

V&S 2010, 11

WM 2010, 949-953

ZAP EN-Nr. 214/2010

ZAP EN-Nr. 0/2010

ZfIR 2010, 324-327

ZGS 2010, 189-192

Amtlicher Leitsatz:

  1. a)

    Der Vermieter von Geschäftsräumen ist zur Abrechnung über die Nebenkosten, auf die der Mieter Vorauszahlungen geleistet hat, innerhalb einer angemessenen Frist verpflichtet. Diese Frist endet regelmäßig zum Ablauf eines Jahres nach Ende des Abrechnungszeitraums.

  2. b)

    Die Abrechnungsfrist ist keine Ausschlussfrist. § 556 Abs. 3 Satz 3 BGB, der für die Wohnraummiete den Ausschluss von Betriebskostennachforderungen anordnet, die der Vermieter später als zwölf Monate nach Ablauf des Abrechnungszeitraums verlangt, ist auf die Geschäftsraummiete nicht analog anwendbar.

  3. c)

    Für die Annahme einer konkludenten Änderung des Umfangs der vereinbarten Nebenkosten reicht es nicht aus, dass der Vermieter einzelne vereinbarte Nebenkostenpositionen über längere Zeit nicht abgerechnet hat. Vielmehr bedarf es hierfür weiterer Anhaltspunkte.

Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat
auf die mündliche Verhandlung vom 27. Januar 2010
durch
den Richter am Bundesgerichtshof Dose,
die Richterin Weber-Monecke,
den Richter Prof. Dr. Wagenitz,
die Richterin Dr. Vézina und
den Richter Schilling
für Recht erkannt:

Tenor:

Die Revision gegen das Urteil des 1. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Köln vom 12. Januar 2007 wird auf Kosten der Beklagten zurückgewiesen.

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