BGH, 24.06.2010 - I ZR 182/08 - Vereinbarkeit einer Gewährung oder Inaussichtstellung eines finanziellen Vorteils für eine Verweisung von Patienten an bestimmte Anbieter gesundheitlicher Leistungen mit dem Verbot unangemessener unsachlicher Einflussnahme auf ärztliche Behandlungstätigkeit; Patienteninteresse als aufgrund behandlungsvertraglicher Pflichten und ärztlichen Berufsrechts alleiniges Kriterium für eine Empfehlung eines Anbieters gesundheitlicher Leistungen; Zulässigkeit einer generellen Verweisung auf den verkürzten Versorgungsweg aufgrund einer wegen Art. 12 GG gebotenen weiten Auslegung des "hinreichenden Grundes" i.S.v. § 34 Abs. 5 Berufsordnungen der Landesärztekammern (BOÄ)

Bundesgerichtshof
Urt. v. 24.06.2010, Az.: I ZR 182/08
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 24.06.2010
Referenz: JurionRS 2010, 19970
Aktenzeichen: I ZR 182/08
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Stuttgart - 28.12.2007 - AZ: 38 O 105/06 KfH

OLG Stuttgart - 30.10.2008 - AZ: 2 U 25/08

nachgehend:

BGH - 06.08.2010 - AZ: I ZR 182/08

Rechtsgrundlagen:

§ 3 UWG

§ 4 Nr. 1 UWG

§ 3 Abs. 2 BOÄ

§ 34 Abs. 5 BOÄ

Fundstellen:

ArztR 2011, 51-52

BlPMZ 2010, 407

GesR 2010, 552-554

GRUR 2010, 850-852 "Brillenversorgung II"

GRUR-Prax 2010, 372 ""Brillenversorgung II""

GuT 2010, 265

KrV 2010, 289

MDR 2010, 1070-1071

MedR 2011, 158-161

MPR 2010, 193-196

NJW-RR 2011, 260-263 "Brillenversorgung II"

PFB 2010, 253

WRP 2010, 1139-1143 "Wettbewerbsrecht: Brillenversorgung II"

Verfahrensgegenstand:

Brillenversorgung II

Amtlicher Leitsatz:

UWG § 4 Nr. 1; BOÄ § 3 Abs. 2, § 34 Abs. 5

Es stellt eine unangemessene unsachliche Einflussnahme auf die ärztliche Behandlungstätigkeit dar, wenn durch das Gewähren oder Inaussichtstellen eines finanziellen Vorteils darauf hingewirkt wird, dass Ärzte entgegen ihren Pflichten aus dem Behandlungsvertrag und dem Berufsrecht nicht allein anhand des Patienteninteresses entscheiden, ob sie einen Patienten an bestimmte Anbieter gesundheitlicher Leistungen verweisen.

Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat
auf die mündliche Verhandlung vom 25. Februar 2010
durch
die Richter Dr. Bergmann, Prof. Dr. Büscher, Dr. Schaffert, Dr. Kirchhoff und Dr. Koch
für Recht erkannt:

Tenor:

Die Revision gegen das Urteil des 2. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 30. Oktober 2008 wird auf Kosten der Beklagten zurückgewiesen.

(1) Red. Anm.:
"184" korrigiert durch "164" (siehe Verknüpfung zu Schreibfehlerberichtigung)

(2) Red. Anm.:
"2005" wird ergänzt (siehe Schreibfehlerberichtigung)

Diese Artikel könnten Sie interessieren

LG Berlin untersagt Arzt auf Homepage Gesundheitshandwerker zu empfehlen (Goßens / Berlin)

LG Berlin untersagt Arzt auf Homepage Gesundheitshandwerker  zu empfehlen (Goßens / Berlin)

Augen auf bei unzulässigen Empfehlungen. Eine Augenärztin hatte einen Augenoptikerbetrieb auf ihrer Website namentlich benannt und verlinkt. Auf die einstweilige Verfügung der Wettbewerbszentrale hat… mehr