BGH, 24.03.2010 - XII ZR 175/08 - Darlegungs- und Beweislast i.R.e. Herabsetzung und zeitlichen Begrenzung des Unterhalts bzgl. einer Befristung; Sekundäre Darlegungslast nach den Regeln zum Beweis negativer Tatsachen hinsichtlich nicht entstandener ehebedingter Nachteile; Erforderliches substantiiertes Bestreiten und konkrete Darlegungserfordernisse durch einen Unterhaltsberechtigten bei Vorliegen einer Behauptung hinsichtlich nicht entstandener ehebedingter Nachteile; Widerlegung vorgetragener ehebedingter Nachteile durch den Unterhaltspflichtigen

Bundesgerichtshof
Urt. v. 24.03.2010, Az.: XII ZR 175/08
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 24.03.2010
Referenz: JurionRS 2010, 14187
Aktenzeichen: XII ZR 175/08
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

AG Essen - 31.01.2008 - AZ: 107 F 253/06

OLG Hamm - 01.09.2008 - AZ: 8 UF 42/08

Fundstellen:

BGHZ 185, 1 - 11

EBE/BGH 2010, 150-152

FamRB 2010, 201

FamRZ 2010, 7

FamRZ 2010, 875-878

FF 2010, 245-249

FK 2010, 165-166

FuR 2010, 398-400

JR 2011, 301-304

JuS 2010, 920-921

JZ 2010, 343-344

MDR 2010, 749-750

NJW 2010, 6

NJW 2010, 1813-1815

NJW-Spezial 2010, 325-326

NotBZ 2011, 125

NWB 2010, 1496-1497

NWB direkt 2010, 534-535

ZAP EN-Nr. 351/2010

ZAP EN-Nr. 0/2010

ZFE 2010, 242

ZFE 2010, 307-308

Amtlicher Leitsatz:

  1. a)

    Im Rahmen der Herabsetzung und zeitlichen Begrenzung des Unterhalts ist der Unterhaltspflichtige für die Tatsachen darlegungs- und beweisbelastet, die für eine Befristung sprechen.

  2. b)

    Hinsichtlich der Tatsache, dass ehebedingte Nachteile nicht entstanden sind, trifft den Unterhaltsberechtigten aber nach den Regeln zum Beweis negativer Tatsachen eine sog. sekundäre Darlegungslast (Klarstellung der Senatsurteile vom 14. November 2007 - XII ZR 16/07 - FamRZ 2008, 134; vom 16. April 2008 - XII ZR 107/06 - FamRZ 2008, 1325; vom 14. Oktober 2009 - XII ZR 146/08 -FamRZ 2009, 1990 und vom 28. März 1990 - XII ZR 64/89 - FamRZ 1990, 857).

  3. c)

    Der Unterhaltsberechtigte muss die Behauptung, es seien keine ehebedingten Nachteile entstanden, substantiiert bestreiten und seinerseits darlegen, welche konkreten ehebedingten Nachteile entstanden sein sollen. Erst wenn das Vorbringen des Unterhaltsberechtigten diesen Anforderungen genügt, müssen die vorgetragenen ehebedingten Nachteile vom Unterhaltspflichtigen widerlegt werden.

Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat
auf die mündliche Verhandlung vom 24. März 2010
durch
den Richter Dose,
die Richterin Weber-Monecke und
die Richter Dr. Klinkhammer, Schilling und Dr. Günter
für Recht erkannt:

Tenor:

Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des 8. Senats für Familiensachen des Oberlandesgerichts Hamm vom 1. September 2008 aufgehoben.

Der Rechtsstreit wird zur erneuten Verhandlung und Entscheidung - auch über die Kosten des Revisionsverfahrens - an das Oberlandesgericht zurückverwiesen.

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