BGH, 22.03.2010 - II ZR 12/08 - Rückwirkende Anwendung von § 19 Abs. 4 Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbHG) i.d.F. des Gesetzes zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) vom 23. Oktober 2008; Anrechnung des Wertes der verdeckt eingelegten Sache auf die fortbestehende Bareinlageverpflichtung nach § 19 Abs. 4 S. 3 GmbHG; Anwendung der §§ 30, 31 GmbHG auf den den Nominalbetrag der Bareinlage übersteigenden Teil der Gegenleistung der Gesellschaft bei Bestehen einer Unterbilanz oder bilanziellen Überschuldung der Gesellschaft im Zeitpunkt einer verdeckten gemischten Sachkapitalerhöhung

Bundesgerichtshof
Urt. v. 22.03.2010, Az.: II ZR 12/08
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 22.03.2010
Referenz: JurionRS 2010, 15635
Aktenzeichen: II ZR 12/08
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Hildesheim - 29.05.2007 - AZ: 10 O 130/06

OLG Celle - 09.01.2008 - AZ: 9 U 117/07

Fundstellen:

BGHZ 185, 44 - 65

AG 2010, 547-553

BB 2010, 1560-1561

BB 2010, 1619-1625

BB 2010, 773 (Pressemitteilung)

DB 2010, 19-20

DB 2010, 7

DB 2010, 1226-1233

DNotI-Report 2010, 135-136

DNotZ 2010, 922-930

DStR 2010, 11

DStR 2010, 12

DStR 2010, 1087-1094

EWiR 2010, 421

GmbHR 2010, 133

GmbHR 2010, 700-707

GmbH-StB 2010, 223

GWR 2010, 266

Konzern 2010, 308-315

KSI 2010, 287-288

KSI 2010, 234

MDR 2010, 8

MDR 2010, 756-757

MittBayNot 2011, 65-71

NJW 2010, 1948-1955 "ADCOCOM"

NotBZ 2010, 370-371

NZG 2010, 5

NZG 2010, 702-709

NZI 2010, 46

NZI 2010, 6-7 (Pressemitteilung)

NZI 2010, 533-540

StBW 2010, 282 (Pressemitteilung)

StBW 2010, 519-520

wistra 2010, 2-3

WM 2010, 1225-1232

WPg 2010, 796

ZBB 2010, 257

ZInsO 2010, 1062-1069

ZIP 2010, 23

ZIP 2010, 978-985

ZNotP 2010, 346-353

Amtlicher Leitsatz:

EGGmbHG § 3 Abs. 4; GmbHG §§ 19 Abs. 4, 30, 31, 56

  1. a)

    Die in § 3 Abs. 4 EGGmbHG angeordnete rückwirkende Anwendung von § 19 Abs. 4 GmbHG i.d.F. des Gesetzes zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) vom 23. Oktober 2008 (BGBl. I S. 2026) begegnet keinen durchgreifenden verfassungsrechtlichen Bedenken.

  2. b)

    Die Anrechnung des Wertes der verdeckt eingelegten Sache auf die fortbestehende Bareinlageverpflichtung nach § 19 Abs. 4 Satz 3 GmbHG darf im Fall der verdeckten ge-mischten Sacheinlage nicht zu Lasten des übrigen Gesellschaftsvermögens gehen. Daher ist vor einer Anrechnung von dem tatsächlichen Wert der eingelegten Sache der Betrag abzuziehen, der von der Gesellschaft aus dem Gesellschaftsvermögen über den Nominalbetrag der Bareinlage hinaus als Gegenleistung (hier: Kaufpreis für Lizenzen) aufge-wendet worden ist.

  3. c)

    Bestand oder entsteht im Zeitpunkt einer verdeckten gemischten Sachkapitalerhöhung eine Unterbilanz oder war die Gesellschaft sogar bilanziell überschuldet, können auf den Teil der Gegenleistung der Gesellschaft, der den Nominalbetrag der Bareinlage übersteigt, §§ 30, 31 GmbHG Anwendung finden.

Der II. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat
auf die mündliche Verhandlung vom 22. März 2010
durch
den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Goette und
die Richter Dr. Strohn, Caliebe, Dr. Reichart und Bender
für Recht erkannt:

Tenor:

Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des 9. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Celle vom 9. Januar 2008 aufgehoben.

Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

Diese Artikel im Bereich Wirtschaft und Gewerbe könnten Sie interessieren

KG Berlin zur nachträglichen Installation eines GmbH-Aufsichtsrats

KG Berlin zur nachträglichen Installation eines GmbH-Aufsichtsrats

Streit kommt bekanntlich in den besten Familien vor und natürlich auch unter den Gesellschaftern einer GmbH. Vor dem Kammergericht Berlin stritten sich GmbH-Gesellschafter über die nachträgliche… mehr

Haftung GmbH Geschäftsführer: 5 goldene Regeln und Haftungsvermeidungsstrategien

Haftung GmbH Geschäftsführer: 5 goldene Regeln und Haftungsvermeidungsstrategien

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) privilegiert ihre Gesellschafter und nicht ihren Geschäftsführer. Dieser hat als Organ fremde Vermögensinteressen wahrzunehmen und dabei die… mehr

Der Anspruch einzelner Gesellschafter auf die Verlegung einer Gesellschafterversammlung

Der Anspruch einzelner Gesellschafter auf die Verlegung einer Gesellschafterversammlung

Es ist nicht immer leicht einen Termin für eine anstehende Gesellschafterversammlung zu finden, der tatsächlich allen Gesellschaftern passt. Unter welchen Umständen ein verhinderter Gesellschafter… mehr