BGH, 20.09.2011 - VI ZR 55/09 - Annahme eines groben Behandlungsfehlers bei Verletzung elementarer medizinischer Grundregeln eines jeweiligen Fachgebiets

Bundesgerichtshof
Urt. v. 20.09.2011, Az.: VI ZR 55/09
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 20.09.2011
Referenz: JurionRS 2011, 25318
Aktenzeichen: VI ZR 55/09
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG München I - 08.02.2006 - AZ: 9 O 22942/03

OLG München - 22.01.2009 - AZ: 1 U 2357/06

Fundstellen:

ArztR 2012, 126-128

GesR 2011, 718-721

MDR 2011, 1285-1286

MedR 2012, 450-453

NJ 2011, 3

NJW 2011, 6

NJW 2011, 3442-3443

VersR 2011, 1569-1570

ZAP 2012, 55

ZAP EN-Nr. 29/2012

zfs 2012, 16-18

Amtlicher Leitsatz:

BGB § 280 Abs. 1, § 823 Abs. 1 Aa, ZPO § 286 B

Gesicherte medizinische Erkenntnisse, deren Missachtung einen Behandlungsfehler als grob erscheinen lassen kann, sind nicht nur die Erkenntnisse, die Eingang in Leitlinien, Richtlinien oder anderweitige ausdrückliche Handlungsanweisungen gefunden haben. Hierzu zählen vielmehr auch die elementaren medizinischen Grundregeln, die im jeweiligen Fachgebiet vorausgesetzt werden.

Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat
auf die mündliche Verhandlung vom 20. September 2011
durch
den Vorsitzenden Richter Galke,
die Richter Wellner, Pauge und Stöhr und
die Richterin von Pentz
für Recht erkannt:

Tenor:

Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des 1. Zivilsenats des Oberlandesgerichts München vom 22. Januar 2009 aufgehoben.

Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision - mit Ausnahme der außergerichtlichen Kosten der Beklagten zu 2, die der Klägerin auferlegt werden, - an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

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