BGH, 20.09.2011 - 1 StR 120/11 - Annahme von Tötungsvorsatz bei einem wuchtigen und gezielten Stich in den Brustbereich

Bundesgerichtshof
Urt. v. 20.09.2011, Az.: 1 StR 120/11
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 20.09.2011
Referenz: JurionRS 2011, 27670
Aktenzeichen: 1 StR 120/11
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Bayreuth - 26.11.2010

Fundstellen:

NStZ-RR 2012, 46

NStZ-RR 2012, 72-74

Verfahrensgegenstand:

Totschlag

Redaktioneller Leitsatz:

  1. 1.

    Ein wuchtiger und gezielter Stich in den Brustbereich des Opfers ist eine äußerst gefährliche Gewalthandlung, die regelmäßig für Tötungsvorsatz spricht.

  2. 2.

    Eine gewisse affektive Erregung ist bei einem tödlichen Angriff normal und spricht nicht ohne weiteres gegen das Vorliegen von Tötungsvorsatz.

  3. 3.

    Das Merkmal "im Rausch" des § 64 StGB bedeutet, dass die Tat während des für das jeweilige Rauschmittel typischen, die geistigpsychischen Fähigkeiten beeinträchtigenden Intoxikationszustands begangen wurde.

  4. 4.

    Typisch für Taten, die Symptomwert für den Hang haben, sind Delikte, die begangen werden, um Rauschmittel selbst oder Geld für ihre Beschaffung zu erlangen; andere Delikte kommen als Hangtaten dann in Betracht, wenn hierfür besondere Anhaltspunkte bestehen.

  5. 5.

    Bei Konflikttaten und (oder) Taten, denen eine Provokation des Täters durch das Opfer vorausging, liegt die Annahme eines Zusammenhangs mit einem Hang zum Missbrauch berauschender Mittel wenig nahe.

Der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat in der Sitzung vom 20. September 2011, an der teilgenommen haben:

Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof Nack

und die Richter am Bundesgerichtshof Dr. Wahl, Rothfuß, Hebenstreit, Prof. Dr. Sander,

Staatsanwalt als Vertreter der Bundesanwaltschaft,

Rechtsanwalt als Verteidiger,

Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle,

für Recht erkannt:

Tenor:

Die Revisionen des Angeklagten und der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landgerichts Bayreuth vom 26. November 2010 werden mit der Maßgabe verworfen, dass die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt entfällt.

Der Angeklagte trägt die Kosten seines Rechtsmittels. Die Kosten des Rechtsmittels der Staatsanwaltschaft und die hierdurch dem Angeklagten entstandenen notwendigen Auslagen trägt die Staatskasse.

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