BGH, 19.07.2011 - VI ZR 217/10 - Anwendbarkeit des allgemeinen Deliktsrechts für Haftung des Staates und des Amtsträgers für nicht-hoheitliches Handeln bei unerlaubten Handlungen; Anwendbares Recht bei Streit zwischen einen Patienten und einem Arzt nach Behandlung in einem Spital der Schweiz; Schadenersatz gegen einen Arzt wegen unzureichender Aufklärung über die mit einer Medikamenteneinnahme verbundenen Risiken

Bundesgerichtshof
Urt. v. 19.07.2011, Az.: VI ZR 217/10
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 19.07.2011
Referenz: JurionRS 2011, 24608
Aktenzeichen: VI ZR 217/10
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Waldshut-Tiengen - 26.11.2009 - AZ: 1 O 36/06

OLG Karlsruhe - 03.08.2010 - AZ: 13 U 233/09

Fundstellen:

BGHZ 190, 301 - 314

GesR 2011, 664-668

MDR 2011, 1314

MedR 2012, 316-320

NJW 2011, 3584-3588

RIW/AWD 2012, 86-89

VersR 2011, 1405-1407

Amtlicher Leitsatz:

EGBGB Art. 4, 40 Abs. 1, 41 Abs. 2 Nr. 1

  1. a)

    Die Haftung des Staates und des Amtsträgers für nicht-hoheitliches Handeln unterliegt - soweit es um unerlaubte Handlungen geht - dem allgemeinen Deliktsstatut.

  2. b)

    Die Frage, ob eine Tätigkeit kollisionsrechtlich als hoheitlich oder nicht-hoheitlich zu qualifizieren ist, bestimmt sich grundsätzlich nach der Rechtsordnung, die die Kollisionsnorm aufgestellt hat, d.h. für nicht der Rom II-Verordnung unterliegende Fälle nach dem am Gerichtsort geltenden Recht.

  3. c)

    Die Beziehungen zwischen einem deutschen Patienten und dem in einem Schweizer Spital beschäftigten und den Patienten behandelnden Arzt können auch dann, wenn zwischen ihnen kein vertragliches Rechtsverhältnis besteht, maßgeblich durch das zwischen dem Spitalträger und dem Patienten bestehende ärztliche Behandlungsverhältnis geprägt sein mit der Folge, dass gemäß Art. 41 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB Schweizer Recht zur Anwendung kommt.

  4. d)

    Im Fall der akzessorischen Anknüpfung an eine besondere Beziehung zwischen den Beteiligten gemäß Art. 41 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB ist eine Rück- oder Weiterverweisung nach dem Sinn der Verweisung ausgeschlossen (Art. 4 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 2 EGBGB).

Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat
auf die mündliche Verhandlung vom 19. Juli 2011
durch
den Vorsitzenden Richter Galke,
die Richter Wellner, Pauge und Stöhr und
die Richterin von Pentz
für Recht erkannt:

Tenor:

Die Revision gegen das Urteil des 13. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 3. August 2010 wird auf Kosten des Klägers zurückgewiesen.

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