BGH, 18.09.2012 - XI ZR 344/11 - Bestimmung des Umfangs der Aufklärungspflichten im Zusammenhang mit dem Erwerb von Inhaberschuldverschreibungen

Bundesgerichtshof
Urt. v. 18.09.2012, Az.: XI ZR 344/11
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 18.09.2012
Referenz: JurionRS 2012, 25709
Aktenzeichen: XI ZR 344/11
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Frankfurt am Main - 12.03.2010 - AZ: 3-15 O 88/09

OLG Frankfurt am Main - 21.06.2011 - AZ: 5 U 51/10

Rechtsgrundlage:

§ 44 Abs. 1 S. 1 BörsG a.F.

Fundstellen:

BGHZ 195, 1 - 22

AG 2012, 874-879

BB 2012, 2381 (Pressemitteilung)

BB 2012, 2829

BB 2012, 2906-2910

BKR 2012, 515-521

DB 2012, 24-25 (Pressemitteilung)

DB 2012, 6

DB 2012, 2622-2627

DStR 2012, 10

EWiR 2013, 127

GuT 2012, 42-43

GWR 2012, 540

JZ 2012, 724

MDR 2012, 10-11

MDR 2012, 1411-1413

NJW 2012, 6

NJW 2013, 539

NJW-Spezial 2012, 720-721

NWB 2012, 4040

NWB direkt 2012, 1374

NZG 2012, 1262-1267

NZG 2012, 5-6 (Pressemitteilung)

wistra 2012, 3-4

WM 2012, 2147-2154

WPg 2013, 48

WuB 2013, 91-92

ZBB 2012, 479

ZIP 2012, 5

ZIP 2012, 2199-2205

Amtlicher Leitsatz:

VerkProspG § 13 Abs. 1 Satz 1 VerkProspV § 2, § 5 Nr. 6 (jeweils in der vom 1. Juli 2002 bis zum 30. Juni 2005 geltenden Fassung) BörsG § 44 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 (in der vom 1. Juli 2002 bis zum 31. Oktober 2007 geltenden Fassung)

  1. a)

    Wendet sich der Emittent von Wertpapieren ausdrücklich auch an das unkundige und börsenunerfahrene Publikum, so bestimmt sich der Empfängerhorizont für Prospekterklärungen nach den Fähigkeiten und Erkenntnismöglichkeiten eines durchschnittlichen (Klein-)Anlegers, der sich allein anhand der Prospektangaben über die Kapitalanlage informiert und über keinerlei Spezialkenntnisse verfügt.

  2. b)

    In diesem Fall gehört zu den tatsächlichen und rechtlichen Verhältnissen, die für die Beurteilung der angebotenen Wertpapiere notwendig und daher richtig und vollständig in einem Wertpapier-Verkaufsprospekt darzustellen sind, auch die Möglichkeit der Erteilung nachteiliger Weisungen durch eine beherrschende Konzernmuttergesellschaft an eine beherrschte Konzerntochtergesellschaft und die damit verbundene - erhöhte - Gefahr für die Rückzahlung der an die Konzerntochtergesellschaft gezahlten Anlegergelder.

  3. c)

    Als Verantwortliche, von denen der Erlass des Prospekts ausgeht (Prospektveranlasser), werden die Personen erfasst, die ein eigenes wirtschaftliches Interesse an der Emission der Wertpapiere haben und darauf hinwirken, dass ein unrichtiger oder unvollständiger Prospekt veröffentlicht wird. Durch diese Regelung soll eine Lücke bei den Haftungsverpflichteten geschlossen werden; insbesondere sollen auch Konzernmuttergesellschaften in die Haftung einbezogen werden, wenn eine Konzerntochtergesellschaft Wertpapiere emittiert.

Der XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 18. September 2012 durch den Vorsitzenden Richter Wiechers, die Richter Dr. Ellenberger, Dr. Matthias, Pamp und die Richterin Dr. Menges für Recht erkannt:

Tenor:

Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des 5. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 21. Juni 2011 wird auf seine Kosten zurückgewiesen.

Diese Artikel könnten Sie interessieren

Der Bundesgerichtshof spricht wegweisendes Urteil für viele Anleger

Der Bundesgerichtshof spricht wegweisendes Urteil für viele Anleger

Mit Urteil vom 18.09.2012 (AZ: XI ZR 344/11) sprach sich der Bundesgerichtshof (BGH) zugunsten der Anleger aus. Die Karlsruher Richter nahmen Stellung zur Haftung bei fehlerhaften Prospekten im… mehr

Urteil des Bundesgerichtshofs ist Wegweiser für eine Vielzahl von Anlegern

Urteil des Bundesgerichtshofs ist Wegweiser für eine Vielzahl von Anlegern

Der Bundesgerichtshof nimmt in seinem Urteil vom 18.09.2012 (AZ: XI ZR 344/11) zugunsten der Anleger Stellung zur Haftung bei fehlerhaften Prospekten im Hinblick auf außerbörslich gehandelte… mehr

BGH entscheidet erneut über Prospekthaftung

BGH entscheidet erneut über Prospekthaftung

Mit seinem Urteil vom 18.09.2012 entschied der Bundesgerichtshof zur Haftung bei fehlerhaften Prospekten bei außerbörslich gehandelten Wertpapieren. mehr