BGH, 18.01.2011 - X ZR 71/10 - Geltendmachung von Ansprüchen aus Rechtsgeschäften im Gerichtsstand der Niederlassung; Vorliegen des Erfüllungsortes bei Ausgleichsansprüchen nach der Fluggastrechteverordnung unabhängig vom Vertragsstatut

Bundesgerichtshof
Urt. v. 18.01.2011, Az.: X ZR 71/10
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 18.01.2011
Referenz: JurionRS 2011, 10611
Aktenzeichen: X ZR 71/10
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

AG Frankfurt am Main - 22.04.2009 - AZ: 29 C 2033/08-73

OLG Frankfurt am Main - 22.04.2010 - AZ: 16 U 84/09

Rechtsgrundlagen:

Art. 5 Abs. 1 Buchst. c) VO 231/2004/EG (Fluggastrechteverordnung)

Art. 7 VO 261/2004/EG (Fluggastrechteverordnung)

§ 21 ZPO

§ 29 Abs. 1 ZPO

Art. 5 Nr. 1b EuGVVO

Fundstellen:

BGHZ 188, 85 - 96

DAR 2011, 201-203

EuLF 2011, 81

JR 2012, 67-71

MDR 2011, 382

NJW 2011, 8 "Gerichtsstand der Niederlassung"

NJW 2011, 2056-2059

NWB 2011, 265

NWB direkt 2011, 87

PA 2011, 73

RIW/AWD 2011, 478-481

RRa 2011, 79-84

TranspR 2011, 196-199

VRR 2011, 180-181

VuR 2011, 228

WM 2011, 427-431

ZGS 2011, 105-106 (Pressemitteilung)

ZIP 2011, 978-980

ZIP 2011, 5

Amtlicher Leitsatz:

ZPO § 21, § 29 Abs. 1; EuGVVO Art. 5 Nr. 1 Buchst. b

  1. a)

    Im Gerichtsstand der Niederlassung können nur Ansprüche aus Rechtsgeschäften geltend gemacht werden, die zumindest mit Rücksicht auf die Geschäftstätigkeit der Niederlassung abgeschlossen wurden oder als deren Folge erscheinen.

  2. b)

    Soll ein Ausgleichsanspruch nach der Fluggastrechteverordnung der Europäischen Union gegen das Luftverkehrsunternehmen geltend gemacht werden, mit dem der Fluggast den Beförderungsvertrag geschlossen hat, ist unabhängig vom Vertragsstatut Erfüllungsort im Sinne des § 29 ZPO sowohl der Ort des vertragsgemäßen Abflugs als auch der Ort der vertragsgemäßen Ankunft des Flugzeugs.

Der X. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat
auf die mündliche Verhandlung vom 18. Januar 2011
durch
den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Meier-Beck und
die Richter Keukenschrijver, Dr. Berger, Dr. Grabinski und
die Richterin Schuster
für Recht erkannt:

Tenor:

Auf die Revision der Beklagten wird das am 22. April 2010 verkündete Urteil des 16. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main im Umfang der nachfolgenden Änderung des erstinstanzlichen Urteils aufgehoben.

Auf die Berufung der Kläger wird das am 22. April 2009 verkündete Urteil des Amtsgerichts Frankfurt am Main abgeändert und wie folgt neu gefasst:

Die Beklagte wird verurteilt, an die Kläger jeweils 600 € nebst Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz, jedoch nicht mehr als sieben Prozent, seit dem 16. August 2008 zu zahlen.

Die weitergehende Klage wird abgewiesen.

Die weitergehenden Rechtsmittel werden zurückgewiesen.

Die Beklagte trägt die Kosten der Rechtsmittelverfahren.

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