BGH, 11.01.2011 - 1 StR 537/10 - Anforderungen an das landgerichtliche Urteil i.R.v. Rücktrittsüberlegungen bezüglich versuchten Mordes bei groben Misshandlungen und Fesselung des Opfers zwecks Verdeckung eines Raubes

Bundesgerichtshof
Beschl. v. 11.01.2011, Az.: 1 StR 537/10
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Beschluss
Datum: 11.01.2011
Referenz: JurionRS 2011, 11015
Aktenzeichen: 1 StR 537/10
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Augsburg - 05.05.2010

Rechtsgrundlage:

§ 24 Abs. 2 StGB

Fundstellen:

NJW 2011, 3465

NStZ 2011, 337-338

Verfahrensgegenstand:

Versuchter Mord u.a.

Redaktioneller Leitsatz:

  1. 1.

    Für die Abgrenzung eines beendeten vom unbeendeten Versuch und damit für die Voraussetzungen eines strafbefreienden Rücktritts kommt es maßgeblich auf die Vorstellungen der Täter nach der letzten Ausführungshandlung ("Rücktrittshorizont") an. Die äußeren Gegebenheiten sind bei der Abgrenzung eines beendeten von einem unbeendeten Versuch insoweit von Bedeutung, wie sie Rückschlüsse auf die innere Einstellung des Täters ermöglichen.

  2. 2.

    Dies gilt auch bei einem mehraktigen Tatgeschehen, das als eine Tat im Rechtssinne gewertet wird.

  3. 3.

    Halten die Täter nach Abschluss der letzten Ausführungshandlung aufgrund der tatsächlichen Umstände den Tod ihres Opfers für möglich oder machen sie sich über die Folgen ihres Handelns - namentlich bei besonders schweren Gewalthandlungen, die zu schweren Verletzungen geführt haben - keine Gedanken, so ist der Versuch beendet.

Der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat
am 11. Januar 2011
gemäß § 349 Abs. 4 StPO
beschlossen:

Tenor:

Auf die Revisionen der Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Augsburg vom 5. Mai 2010 mit den Feststellungen aufgehoben.

Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Rechtsmittel, an eine andere Jugendkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

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