BGH, 10.06.2009 - 2 StR 103/09 - Beschleunigung des Eintritts des Todes durch einem Messerstich nachfolgende Verletzungshandlungen i.R.d. Prüfung des § 227 Strafgesetzbuch (StGB)

Bundesgerichtshof
Urt. v. 10.06.2009, Az.: 2 StR 103/09
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 10.06.2009
Referenz: JurionRS 2009, 17572
Aktenzeichen: 2 StR 103/09
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Köln - 04.04.2008

Rechtsgrundlage:

§ 227 StGB

Fundstellen:

NStZ-RR 2009, 309-310

NStZ-RR 2010, 36

StRR 2009, 389 (Volltext mit red. LS u. Anm.)

Verfahrensgegenstand:

Körperverletzung mit Todesfolge u. a.

Redaktioneller Leitsatz:

  1. 1.

    Für die Erfüllung der subjektiven Fahrlässigkeitskomponente bei § 227 StGB reicht es aus, wenn der Täter die Möglichkeit des Todeserfolgs im Ergebnis hätte voraussehen können.

  2. 2.

    Einer Voraussehbarkeit aller Einzelheiten des zum Tode führenden Geschehensablaufs bedarf es nicht.

  3. 3.

    Ausreichend ist ferner, dass die Handlungen des Täters den Sterbevorgang beschleunigt haben und damit für den Todeserfolg in seiner konkreten Gestalt unmittelbar ursächlich waren.

Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat
in der Sitzung vom 10. Juni 2009,
an der teilgenommen haben:
Vorsitzende Richterin am Bundesgerichtshof Dr. Rissingvan Saan,
Richter am Bundesgerichtshof Rothfuß,
Richterin am Bundesgerichtshof Roggenbuck,
Richter am Bundesgerichtshof Dr. Appl, Prof. Dr. Schmitt,
Staatsanwalt beim Bundesgerichtshof als Vertreter der Bundesanwaltschaft,
Rechtsanwalt als Verteidiger des Angeklagten B. ,
Rechtsanwalt als Verteidiger des Angeklagten M. ,
Rechtsanwältin als Vertreterin der Nebenklägerin,
Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle,
für Recht erkannt:

Tenor:

  1. 1.

    Auf die Revisionen der Staatsanwaltschaft wird das Urteil des Landgerichts Köln vom 4. April 2008 - mit Ausnahme der Entscheidung über die Adhäsionsanträge - mit den Feststellungen aufgehoben

    1. a)

      insgesamt soweit es den Angeklagten M. B. betrifft und

    2. b)

      soweit es den Angeklagten D. M. betrifft im Fall B.III.21 bis 29 der Urteilsgründe (Fall 2 der Anklage) sowie im Rechtsfolgenausspruch.

  2. 2.

    Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Rechtsmittel, an eine andere Jugendkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

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