BGH, 09.11.2011 - I ZR 150/09 - Anwendbarkeit des Namensschutzes neben dem markenrechtlichen Kennzeichenschutz im Hinblick auf die Löschung eines Domainnamens

Bundesgerichtshof
Urt. v. 09.11.2011, Az.: I ZR 150/09
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 09.11.2011
Referenz: JurionRS 2011, 31978
Aktenzeichen: I ZR 150/09
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Stuttgart - 27.01.2009 - AZ: 41 O 127/08 KfH

OLG Stuttgart - 24.09.2009 - AZ: 2 U 16/09

Fundstellen:

BB 2012, 201

BB 2011, 2881 (Pressemitteilung)

BlPMZ 2012, 147

CR 2011, 121-122

CR 2012, 179-183

GRUR 2012, 8 "Basler Haar-Kosmetik"

GRUR 2012, 304-309 "Basler Haar-Kosmetik"

GRUR-Prax 2012, 60

ITRB 2012, 51-52

K&R 2012, 204-210

MarkenR 2012, 103-110 "Basler Haar-Kosmetik"

MDR 2012, 296-298

Mitt. 2012, 130-131 "Basler Haar-Kosmetik"

MMR 2012, 233-238

NJ 2014, 351-352

NZG 2011, 7

VuR 2011, 7

WRP 2012, 330-337 "Markenrecht: Basler Haar-Kosmetik"

ZIP 2011, 5-6

Verfahrensgegenstand:

Basler Haar-Kosmetik

Amtlicher Leitsatz:

MarkenG § 15 Abs. 5; BGB §§ 12, 677, 683 Satz 1, § 670; ZPO § 139 Abs. 1 Satz 2, Abs. 4

  1. a)

    Der Namensschutz aus § 12 BGB bleibt neben dem Kennzeichenschutz aus §§ 5, 15 MarkenG anwendbar, wenn mit der Löschung des Domainnamens eine Rechtsfolge begehrt wird, die aus kennzeichenrechtlichen Vorschriften deswegen nicht hergeleitet werden kann, weil das Halten des Domainnamens im konkreten Fall für sich gesehen die Voraussetzungen einer Verletzung der Marke oder des Unternehmenskennzeichens des Klägers nicht erfüllt (Fortführung von BGH, GRUR 2005, 430 [BGH 09.09.2004 - I ZR 65/02] - mho.de; BGH, GRUR 2008, 1099 [BGH 24.04.2008 - I ZR 159/05] - afilias.de).

  2. b)

    Derjenige, der sich von einem ausländischen Anmelder eines Domainnamens gegenüber der DENIC als administrativer Ansprechpartner (Admin-C) benennen und registrieren lässt, haftet nicht schon deswegen als Störer für mögliche mit der Registrierung verbundene Verletzungen von Rechten Dritter.

  3. c)

    Eine Prüfungspflicht kann sich jedoch aus den besonderen Umständen des Einzelfalls ergeben. Solche gefahrerhöhenden Umstände liegen vor, wenn der im Ausland ansässige Anmelder freiwerdende Domainnamen jeweils in einem automatisierten Verfahren ermittelt und registriert und der Admin-C sich dementsprechend pauschal bereiterklärt hat, diese Funktion für eine große Zahl von Registrierungen zu übernehmen.

Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 21. Juli 2011 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Bornkamm und die Richter Pokrant, Dr. Schaffert, Dr. Kirchhoff und Dr. Löffler

für Recht erkannt:

Tenor:

Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des 2. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 24. September 2009 aufgehoben.

Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

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