BGH, 03.11.2010 - XII ZB 197/10 - Begriff des Verfahrens i.S.d. Art. 111 Abs. 1 S. 1 Gesetz zur Reform des Verfahrens in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FGG-RG) bei Einlegung eines Rechtsmittels; Maßgeblichkeit eines durch eine Klage eingeleiteten Verfahrens für das nach Art. 111 Abs. 1 FGG-RG anwendbare Verfahrensrecht nach Erhebung einer Widerklage; Verschulden eines Rechtsanwalts bei einem Rechtsirrtum über das nach dem FGG-RG in Übergangsfällen anwendbare Verfahrensrecht

Bundesgerichtshof
Beschl. v. 03.11.2010, Az.: XII ZB 197/10
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Beschluss
Datum: 03.11.2010
Referenz: JurionRS 2010, 28259
Aktenzeichen: XII ZB 197/10
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

AG Nürnberg - 15.10.2009 - AZ: 105 F 1568/09

OLG Nürnberg - 11.01.2010 - AZ: 7 UF 1471/09

Rechtsgrundlagen:

Art. 111 Abs. 1 FGG-RG

Art. 111 Abs. 2 FGG-RG

§ 38 Abs. 1 S. 1 FamFG

§ 236 Abs. 2 S. 2 Hs. 2 ZPO

Fundstellen:

AnwBl 2011, 146-148

BRAK-Mitt 2011, 33

FamFR 2011, 34

FamRB 2011, 44-45

FamRZ 2011, 100-103

FF 2011, 130

FK 2011, 40-41

FuR 2011, 168-170

MDR 2011, 45-46

NJW 2010, 8

NJW 2011, 386-388

Amtlicher Leitsatz:

ZPO §§ 233 Ga, 85; FGG-RG Art. 111

  1. a)

    Verfahren im Sinne des Art. 111 Abs. 1 Satz 1 FGG-RG ist nicht nur das Verfahren bis zum Abschluss einer Instanz, sondern bei Einlegung eines Rechtsmittels auch die mehrere Instanzen umfassende gerichtliche Tätigkeit in einer Sache (im Anschluss an BGH Beschluss vom 1. März 2010 - II ZB 1/10 - FamRZ 2010, 639 sowie Senatsurteil vom 25. November 2009 - XII ZR 8/08 - FamRZ 2010, 192).

  2. b)

    Auch bei einer in zulässiger Weise erhobenen Widerklage richtet sich das nach Art. 111 Abs. 1 FGG-RG anwendbare Verfahrensrecht einheitlich nach dem durch die Klage eingeleiteten Verfahren.

  3. c)

    Der Rechtsirrtum eines Rechtsanwalts über das nach dem FGG-Reformgesetz in Übergangsfällen anwendbare Verfahrensrecht ist jedenfalls dann nicht unverschuldet, wenn er entgegen einer von der Mehrheit in der Literatur und einer ersten veröffentlichten Entscheidung eines Oberlandesgerichts vertretenen Rechtsansicht von der Anwendbarkeit des neuen Rechts ausgeht.

Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat
am 3. November 2010
durch
die Vorsitzende Richterin Dr. Hahne und
die Richter Weber-Monecke, Dr. Klinkhammer, Schilling und Dr. Günter
beschlossen:

Tenor:

Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des 7. Zivilsenats und Senats für Familiensachen des Oberlandesgerichts Nürnberg vom 11. Januar 2010 wird auf Kosten des Klägers zurückgewiesen.

Wert: 6.918 €

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