BGH, 02.12.2015 - I ZR 45/13 - Himbeer-Vanille-Abenteuer II - Blickfangmäßige Herausstellung von Bestandteilen von Himbeerfrüchten und Vanillepflanzen auf einer Produktaufmachung eines Lebensmittels; Erwartungshaltung des Verbrauchers bzgl. der "normalerweise verwendeten Zutaten" bei nicht traditionellen Lebensmitteln; Unterlassungsanspruch wegen einer irreführenden Produktaufmachung

Bundesgerichtshof
Urt. v. 02.12.2015, Az.: I ZR 45/13
„Himbeer-Vanille-Abenteuer II“
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 02.12.2015
Referenz: JurionRS 2015, 39391
Aktenzeichen: I ZR 45/13
Entscheidungsname: Himbeer-Vanille-Abenteuer II

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Düsseldorf - 16.03.2012 - AZ: 38 O 74/11

BGH - 26.02.2014 - AZ: I ZR 45/13

Rechtsgrundlagen:

§ 3 UWG

§ 4 Nr. 11 UWG

§ 8 Abs. 1 S. 1 UWG

§ 12 Abs. 1 S. 2 UWG

Art. 2 Abs. 1 Buchst. a RL 2000/13/EG

Art. 2 Abs. 3 RL 2000/13/EG

Art. 3 Abs. 1 Nr. 2 RL 2000/13/EG

§ 11 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 LFGB a.F.

Art. 7 Abs. 1 Buchst. a, d VO Nr. 1169/2011/EU

Art. 7 Abs. 4 Buchst. b VO Nr. 1169/2011/EU

Art. 17 Abs. 5 VO Nr. 1169/2011/EU

Anhang VI Teil A Nr. 4 VO Nr. 1169/2011/EU

Art. 3 Abs. 4 RL 2005/29/EG

Art. 7 RL 2005/29/EG

Fundstellen:

EWiR 2016, 545

GRUR 2016, 8

GRUR 2016, 738-741 "Himbeer-Vanille-Abenteuer II"

GRUR-Prax 2016, 252

MarkenR 2016, 304-307 "Himbeer-Vanille-Abenteuer II"

MDR 2015, 8

MDR 2016, 841-842

Mitt. 2016, 407-408

NZG 2015, 5

RdW 2016, 48-49

VuR 2016, 80

wistra 2016, 3

WRP 2016, 838-841

ZIP 2015, 97

ZLR 2016, 520-527

Amtlicher Leitsatz:

Richtlinie 2000/13/EG Art. 2 Abs. 1 Buchst. a, Abs. 3, Art. 3 Abs. 1 Nr. 2; LFGB aF § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1; Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 Art. 7 Abs. 1 Buchst. a und d, Abs. 4 Buchst. b, Art. 17 Abs. 5 in Verbindung mit Anhang VI Teil A Nr. 4; LFGB nF § 11 Abs. 1 Nr. 1; Richtlinie 2005/29/EG Art. 3 Abs. 4, Art. 7

  1. a)

    Wird auf einer Produktaufmachung eines Lebensmittels der unzutreffende Eindruck hervorgerufen, das Erzeugnis weise bestimmte Bestandteile auf (hier: blickfangmäßige Herausstellung von Bestandteilen von Himbeerfrüchten und Vanillepflanzen oder jedenfalls aus diesen Bestandteilen gewonnene Aromen), so kann auch die Zutatenliste im Einzelfall nicht ausreichen, die Irreführungsgefahr auszuräumen.

  2. b)

    Bei nicht traditionellen Lebensmitteln sind als "normalerweise verwendete Zutaten" im Sinne von Art. 7 Abs. 1 Buchst. d und Art. 17 Abs. 5 in Verbindung mit Anhang VI Teil A Nr. 4 LMIV diejenigen Zutaten anzusehen, deren Verwendung der Verbraucher nach dem Aussehen, der Bezeichnung oder den bildlichen Darstellungen des Lebensmittels erwarten kann.

  3. c)

    Aus Art. 7 der Richtlinie 2005/29/EG über unlautere Geschäftspraktiken lassen sich bei Lebensmitteln keine Informationspflichten ableiten, die über die Informationspflichten nach der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel hinausgehen.

Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 2. Dezember 2015 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Büscher, die Richter Prof. Dr. Schaffert, Dr. Kirchhoff, Dr. Löffler und die Richterin Dr. Schwonke

für Recht erkannt:

Tenor:

Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des 20. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 19. Februar 2013 aufgehoben.

Die Berufung der Beklagten gegen das Urteil der 8. Kammer für Handelssachen des Landgerichts Düsseldorf vom 16. März 2012 wird zurückgewiesen.

Die Kosten der Rechtsmittel trägt die Beklagte.

Von Rechts wegen

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