BFH, 25.08.2009 - I R 88/07 - Möglichkeit der Schätzung i.S.d. § 162 Abgabenordnung (AO) i.R.d. Nichtbeweisbarkeit einer Behauptung steuerlich günstiger Tatsachen; Strenge Anforderungen an den Beweis des Abschlusses und der Ernstlichkeit innerhalb eines Familienverbundes geschlossener Verträge mit steuerrechtlichen Auswirkungen; Anwendbarkeit des § 17 Einkommensteuergesetz 1997 (EStG 1997) auf Spekulationsgeschäfte nach Nichtigerklärung des ursprünglich vorrangigen § 23 Abs. 1 EStG 1997 durch das Bundesverfassungsgericht (BVerfG); Verfassungsmäßigkeit und Gemeinschaftsrechtskonformität der Wegzugsbesteuerung i.S.d. § 6 Abs. 1 Außensteuergesetz (AStG) a.F. i.V.m. § 6 Abs. 5, § 21 Abs. 13 AStG n.F.; Reichweite der Schutzwürdigkeit des Vertrauens eines Steuerpflichtigen auf die Gemeinschaftsrechtswidrigkeit einer innerstaatlichen Vorschrift; Gemeinschaftsrechtskonformität der pauschalen Besteuerung von Erträgen aus sog. "schwarzen Fonds" bzgl. der Kapitalverkehrsfreiheit gem. Art. 73b Abs. 1 EG-Vertrag (EG)

Bundesfinanzhof
Urt. v. 25.08.2009, Az.: I R 88/07
Gericht: BFH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 25.08.2009
Referenz: JurionRS 2009, 24825
Aktenzeichen: I R 88/07
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

FG Düsseldorf - 14.11.2007 - AZ: 9 K 1270/04 E

FG Düsseldorf - 14.11.2007 - AZ: 9 K 1274/04 E

Fundstellen:

BFHE 226, 296 - 317

AO-StB 2009, 352

AuR 2010, 47

AUR 2010, 47

BB 2009, 2451

BB 2009, 2742

BFH/PR 2010, 33

BStBl II 2016, 438-447

DB 2009, 2464-2465

DStR 2009, 2295-2303

DStRE 2009, 1470-1471

EStB 2009, 427-428

GmbH-StB 2009, 325-326

GStB 2010, 3

HFR 2010, 6-12

IDLR 2009, 10-11

IDLR 2009, 11

IStR 2009, 895-902

IWB 2009, 1127

KSR direkt 2009, 5

NJW 2010, 640

NWB 2009, 3558

NWB direkt 2009, 1164

NZG 2010, 160

PIStB 2009, 320

PIStB 2010, 34

PStR 2010, 4-6

RIW/AWD 2010, 495

SJ 2009, 6

SJ 2009, 7

StB 2009, 423

StBW 2009, 8

StBW 2009, 6

StuB 2009, 819

StX 2009, 708-709

V&S 2009, 5

VP 2009, 209

Jurion-Abstract 2009, 224543 (Zusammenfassung)

Hinweis:

Hinweis: Verbundenes Verfahren

Verbundverfahren:
BFH - 25.08.2009 - AZ: I R 89/07

Amtlicher Leitsatz:

  1. 1.

    Behauptet der Steuerpflichtige, die Voraussetzungen eines Steuertatbestands (hier: § 17 EStG 1997) seien aufgrund von innerfamiliären Transaktionen (hier: Übertragung von Aktien) nicht gegeben und unterlässt er es aber unter Hinweis auf zeitlaufbedingte Erinnerungslücken, die behaupteten Transaktionen substantiiert darzulegen, trägt er die Gefahr, dass das FA die Besteuerungsgrundlagen nicht ermitteln kann und deshalb die Voraussetzungen für eine Schätzung gemäß § 162 AO gegeben sind. Das gilt auch, wenn hinsichtlich der Transaktionen keine spezifischen steuerrechtlichen Dokumentationspflichten bestehen.

  2. 2.

    Die sog. Wegzugsteuer nach § 6 Abs. 1 AStG i.d.F. bis zur Änderung durch das SEStEG vom 7. Dezember 2006 (BGBl. I 2006, 2782, berichtigt BGBl. I 2007, 68) i.V.m. § 6 Abs. 5, § 21 Abs. 13 Satz 2 AStG i.d.F. der Änderungen durch das SEStEG verstößt weder gegen Abkommensrecht noch Gemeinschaftsrecht oder gegen Verfassungsrecht (Bestätigung des Senatsbeschlusses vom 23. September 2008 I B 92/08, BFHE 223, 73, BStBl II 2009, 524).

  3. 3.

    Die pauschale Besteuerung von Erträgen aus im Inland nicht registrierten ausländischen Investmentfonds (sog. "schwarzen" Fonds) gemäß § 18 Abs. 3 AuslInvestmG verstößt auch im Hinblick auf Fonds aus Staaten, die nicht Mitglied von EU oder EWR sind, gegen die gemeinschaftsrechtlich verbürgte Kapitalverkehrsfreiheit (Fortentwicklung des BFH-Urteils vom 18. November 2008 VIII R 24/07, BFHE 223, 398, BStBl II 2009, 518; entgegen BMF-Schreiben vom 6. Juli 2009, BStBl I 2009, 770).

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