BFH, 24.08.2011 - I R 46/10 - Gewerblichkeit eines in der Rechtsform einer britischen Limited Partnership geführten sog. Private Equity/Venture Capital Fonds

Bundesfinanzhof
Urt. v. 24.08.2011, Az.: I R 46/10
Gericht: BFH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 24.08.2011
Referenz: JurionRS 2011, 26287
Aktenzeichen: I R 46/10
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

FG Baden-Württemberg - 11.05.2010 - AZ: 6 K 285/06

Rechtsgrundlagen:

§ 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG 1997

Art. III Abs. 1 S. 1 DBA-Großbritannien 1964/1970

Art. XVIII Abs. 2 Buchst. a DBA-Großbritannien 1964/1970

Fundstellen:

BFHE 234, 339 - 352

BB 2011, 2977-2982

BB 2011, 2709 (Pressemitteilung)

BFH/NV 2011, 2165-2170

BFH/PR 2012, 33-34

BStBl II 2014, 764-770

DB 2011, 2413-2414

DStR 2011, 2085-2091

DStRE 2011, 1423

DStZ 2011, 847-848

EStB 2011, 429-430

FR 2012, 39-44

GmbH-StB 2012, 8-9

GWR 2011, 534

HFR 2012, 11-15

IStR 2011, 925-931

IWB 2011, 795

KÖSDI 2011, 17649

NWB 2011, 3669-3670

NWB direkt 2011, 1150-1151

NZG 2011, 6-7

NZG 2011, 1337

PIStB 2011, 311

RIW/AWD 2011, 891-896

StB 2012, 9

StBW 2011, 1020-1022

StuB 2011, 843-844

StX 2011, 676-677

V&S 2011, 5

wistra 2011, 4

WM 2011, 2274-2279

WuB 2012, 261-264

Amtlicher Leitsatz:

  1. 1.

    Eine i.S. von § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG 1997 gewerblich geprägte Personengesellschaft erzielt nicht allein wegen der Prägung gewerbliche Gewinne i.S. von Art. III Abs. 1 Satz 1 DBA-Großbritannien 1964/1970 (Anschluss an die ständige Spruchpraxis des Senats).

  2. 2.

    Ein in der Rechtsform einer britischen Limited Partnership geführter sog. Private Equity/Venture Capital Fonds kann nach § 15 Abs. 2 EStG 1997 gewerblich tätig sein und gewerbliche Gewinne i.S. von Art. III Abs. 1 Satz 1 DBA-Großbritannien 1964/1970 erzielen.

  3. 3.

    Räumlichkeiten können auch dann eigene Betriebsstätten sein, wenn es sich hierbei um solche einer eingeschalteten Managementgesellschaft handelt und hierüber kein vertraglich eingeräumtes eigenes Nutzungsrecht besteht (Bestätigung des Senatsurteils vom 23. Februar 2011 I R 52/10, BFH/NV 2011, 1354).

  4. 4.

    Einkünfte aus einer britischen Betriebsstätte sind auch dann nach Art. XVIII Abs. 2 Buchst. a i.V.m. Art. III Abs. 1 Satz 1 DBA-Großbritannien 1964/1970 von der inländischen Bemessungsgrundlage auszunehmen, wenn sie in Großbritannien aufgrund dortiger steuerlicher Subventionsmaßnahmen tatsächlich unbesteuert bleiben. Aus demselben Grund entfällt ein Besteuerungsrückfall nach Maßgabe von § 50d Abs. 9 Satz 1 Nr. 1 EStG 2002.

  5. 5.

    Die Freistellung von der inländischen Besteuerung nach Art. XVIII Abs. 2 Buchst. a i.V.m. Art. III Abs. 1 Satz 1 DBA-Großbritannien 1964/1970 erfasst auch Dividenden, die aufgrund des sog. Betriebsstättenvorbehalts nach Art. VI Abs. 5 DBA-Großbritannien 1964/1970 im Quellenstaat als gewerbliche Einkünfte zu behandeln sind (Abgrenzung zum Senatsurteil vom 7. August 2002 I R 10/01, BFHE 199, 547, BStBl II 2002, 848).

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