BFH, 09.06.2010 - I R 100/09 - Besteuerungsrecht Deutschlands für Verluste eines in Deutschland ansässigen Unternehmens in seiner in Frankreich gelegenen Betriebsstätte; Möglichkeit eines Verlustabzugs bei Nachweis einer völligen steuerlichen Unverwertbarkeit von Verlusten im Quellenstaat durch einen Steuerpflichtigen; Steuerliche Verwertbarkeit bei nur zeitlich begrenzter Zulässigkeit von Verlustvorträgen in einem Betriebsstättenstaat

Bundesfinanzhof
Urt. v. 09.06.2010, Az.: I R 100/09
Gericht: BFH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 09.06.2010
Referenz: JurionRS 2010, 20980
Aktenzeichen: I R 100/09
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

FG Düsseldorf - 08.09.2009 - AZ: 6 K 308/04 K

Rechtsgrundlagen:

Art. 4 Abs. 1 S. 2 DBA-Frankreich

Art. 20 Abs. 1 Buchst. a DBA-Frankreich

§ 4 Abs. 1 EStG 1997

Art. 43 EG

Art. 48 EG

Art. 49 AEUV

Art. 54 AEUV

Fundstellen:

BFHE 230, 30 - 35

BB 2010, 2013

BFH/NV 2010, 1742-1744

BFH/PR 2010, 407-408

BStBl II 2010, 1065-1067 (Volltext mit amtl. LS)

DB 2010, 1731-1733

DStRE 2010, 1059-1061

EStB 2010, 366

FR 2010, 901-903

GmbHR 2010, 1001

GmbHR 2010, 262-264

GmbH-StB 2010, 256

GStB 2011, 6

HFR 2010, 1143-1144

IStR 2010, 670-672

KÖSDI 2010, 17112

KSR direkt 2010, 8

NWB 2010, 2594

NWB direkt 2010, 864

NZG 2010, 981

PIStB 2010, 230

RIW/AWD 2010, 816

StB 2010, 301

StBW 2010, 778-779

StuB 2010, 681

V&S 2010, 23

Jurion-Abstract 2010, 224918 (Zusammenfassung)

Amtlicher Leitsatz:

  1. 1.

    Der Senat hält auch für Art. 4 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. Art. 20 Abs. 1 Buchst. a DBA-Frankreich daran fest, dass Deutschland für Verluste, die ein in Deutschland ansässiges Unternehmen in seiner in Frankreich belegenen Betriebsstätte erwirtschaftet, kein Besteuerungsrecht hat (ständige Rechtsprechung).

  2. 2.

    Ein Verlustabzug kommt abweichend davon aus Gründen des Gemeinschaftsrechts nur ausnahmsweise in Betracht, sofern und soweit der Steuerpflichtige nachweist, dass die Verluste im Quellenstaat steuerlich unter keinen Umständen anderweitig verwertbar sind (sog. finale Verluste, Anschluss an EuGH-Urteil vom 15. Mai 2008 C-414/06 "Lidl Belgium", Slg. 2008, I-3601, BStBl II 2009, 692). An einer derartigen "Finalität" fehlt es, wenn der Betriebsstättenstaat nur einen zeitlich begrenzten Vortrag von Verlusten zulässt (Anschluss an EuGH-Urteil vom 23. Oktober 2008 C-157/07 "Krankenheim Ruhesitz am Wannsee-Seniorenheimstatt", Slg. 2008, I-8061).

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