Arbeit auf Abruf

Rechtswörterbuch

 Normen 

§ 12 TzBfG

 Information 

Besondere Form der Teilzeitarbeit.

Als Arbeit auf Abruf wird nach der gesetzlichen Definition des § 12 TzBfG ein Arbeitsverhältnis bezeichnet, in dem der Arbeitnehmer seine Arbeit entsprechend dem Arbeitsanfall zu erbringen hat.

Die Parteien sind verpflichtet, eine Vereinbarung über die Dauer der wöchentlichen und täglichen Arbeitszeit zu treffen:

  • Fehlt eine Vereinbarung über die wöchentliche Arbeitszeit, so fingiert § 12 Abs. 1 S. 3 TzBfG, dass die Parteien eine wöchentliche Arbeitszeit von zehn Stunden vereinbart haben. Der Arbeitnehmer ist für diesen Zeitraum bzw. für die vereinbarte Zeit auch zu vergüten, wenn er die Arbeitsleistung nicht oder nicht ordnungsgemäß abgerufen hat.

    Nach dem Urteil BAG 07.12.2005 - 5 AZR 535/04 ist die bei einer Vereinbarung von Arbeit auf Abruf abrufbare Arbeit des Arbeitnehmer in der Höhe auf 25 % der vereinbarten wöchentlichen Mindestarbeitszeit beschränkt.

  • Fehlt eine Vereinbarung über die tägliche Arbeitszeit, so bestimmt § 12 Abs. 1 S. 4 TzBfG, dass der Arbeitgeber die Arbeitsleistung für mindestens drei aufeinander folgende Stunden in Anspruch zu nehmen hat.

  • Die Nichtvereinbarung einer bestimmten Dauer der wöchentlichen und täglichen Arbeitszeit bedingt nicht die Unwirksamkeit der Abrede, sondern führt dazu, dass nach § 12 Abs. 1 S. 3 TzBfG eine wöchentliche Arbeitszeit von zehn Stunden als vereinbart gilt und der Arbeitgeber nach § 12 Abs. 1 S. 4 TzBfG die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers jeweils für mindestens drei aufeinander folgende Stunden in Anspruch nehmen muss (BAG 24.09.2014 - 5 AZR 1024/12).

Die gesetzlichen Zeiten stellen aber keine Mindestarbeitszeiten dar. Sie können durch eine Vereinbarung der Parteien auch unterschritten werden.

Das grundsätzliche Bestimmungsrecht des Arbeitgebers wird durch § 12 Abs. 2 TzBfG eingeschränkt: Der Arbeitnehmer ist nur dann zur Arbeitsleistung verpflichtet, wenn der Arbeitgeber ihm die Lage der Arbeitszeit mindestens vier Tage im Voraus mitteilt. Andernfalls kann sich der Arbeitnehmer auf sein Leistungsverweigerungsrecht berufen.

Von den Regelungen kann zuungunsten des Arbeitnehmers (nur) durch Tarifvertrag abgewichen werden.

 Siehe auch 

EuGH 12.10.2004 - C-313/02 (keine mittelbare Diskriminierung durch Arbeit auf Abruf)

Gastell: Arbeitszeitflexibilisierung: Arbeit auf Abruf; Arbeit und Arbeitsrecht - AuA 2008, 200

Hunold: Bedarfsgerechter Personaleinsatz: Aktuelle Probleme bei sog. Pool-Lösungen und Arbeit auf Abruf; Neue Zeitschrift für Arbeitsrecht - NZA 2003, 896

Ludwig: Mehr Spielraum bei flexiblen Arbeitszeiten: Arbeit auf Abruf; Arbeit und Arbeitsrecht - AuA 2012, 514

Nicolai: Rechtssicherheit für die Arbeit auf Abruf? Der Betrieb - DB 2004, 2812

Sievers: TzBfG. Kommentar zum Teilzeit- und Befristungsgesetz; 5. Auflage 2015

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