Adoptionsvermittlung

Rechtswörterbuch

 Normen 

AdVermiG

§§ 27 ff SGB VIII

 Information 

1. Allgemein

Öffentliche Hilfe zur Vermittlung einer Adoption.

Adoptionsvermittlung ist eine eigenständige Leistung der Jugendhilfe.

Inhalt des Adoptionsvermittlungsgesetzes ist die Zuständigkeit und Durchführung der Adoptionsvermittlung in der Bundesrepublik Deutschland. Das materielle Adoptionsrecht ist in den §§ 1741 - 1772 BGB geregelt.

Derzeit kommen auf ein zur Adoption vorgesehenes Kind im Durchschnitt sechs geprüfte und von den Vermittlungsstellen für geeignet befundene Adoptionsbewerber.

2. Zuständigkeiten

Zuständig zur Adoptionsvermittlung sind gemäß § 2 AdVermiG folgende Einrichtungen:

  • Die zentrale Adoptionsvermittlungsstelle des Landesjugendamtes.

    Die Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben eine gemeinsame Zentrale Adoptionsstelle eingerichtet:

    Gemeinsame Zentrale Adoptionsstelle der vier norddeutschen Bundesländer; Feuerbergstr. 43 B; 22337 Hamburg; Tel.: 040 - 42849 - 286

  • Die einzelnen Jugendämter, sofern sie Adoptionsvermittlungsstellen eingerichtet haben.

  • Freie Träger: Die örtlichen und zentralen Stellen des Diakonischen Werkes, des Deutschen Caritasverbandes, der Arbeiterwohlfahrt und sonstiger diesen angeschlossenen Fachverbänden und Organisationen, sofern die Stellen von der zentralen Adoptionsvermittlungsstelle des Landesjugendamtes anerkannt sind.

3. Antrag auf die Adoption

Der Antrag auf Durchführung der Adoption wird gemäß § 1753 Abs. 2 BGB von einem Notar eingereicht. Zuständig ist das Familiengericht, in dessen Bezirk der Annehmende seinen Wohnsitz hat (§ 187 FamFG). Vor der Entscheidung ist gemäß § 189 FamFG ein Gutachten der die Adoption betreuenden Adoptionsvermittlungsstelle einzuholen.

Dem Antrag auf die Adoption soll eine Adoptionspflegezeit vorausgehen, in der eine Eltern-Kind-Verbindung aufgebaut werden soll.

4. Voraussetzungen

Objektive Kriterien zur Ermittlung der Adoptionsfähigkeit der Bewerbereltern gibt es nicht. Der Entwurf einer derartigen Verordnung wurde nicht weiterverfolgt. "Rechtsgrundlage" der Entscheidung über die Zuordnung sind die von den Landesjugendämtern herausgegebenen "Empfehlungen zur Adoptionsvermittlung".

Einige (ungeschriebene) Voraussetzungen einer Adoptionsvermittlung sind:

  • Verarbeitung der gegebenenfalls bestehenden ungewollten Kinderlosigkeit.

  • Verarbeitung eines gegebenenfalls erlittenen Verlustes eines eigenen Kindes.

  • Bewusstsein für die mit dem Kind auftretenden Probleme.

  • Geistige und körperliche Gesundheit der Adoptiveltern.

  • Stabile Eheverhältnisse.

  • Vorlage von Nachweisen:

    • Abschrift aus dem Familienbuch

    • Polizeiliches Führungszeugnis

    • Lohn- und Gehaltsbescheinigung

    • Nachweis der Staatsangehörigkeit

    • Gesundheitsattest

Die die Adoption vermittelnde Stelle liefert den adoptionswilligen Personen vor der Entscheidung beider Parteien Informationen über den derzeitigen psychischen, sozialen und gesundheitlichen Stand des Kindes sowie weitere, die Herkunftsfamilie betreffende Informationen.

5. Unzulässige Adoptionsvermittlung

Die Adoptionsvermittlung durch Zeitungsannoncen oder andere öffentliche Erklärungen ist gemäß § 6 AdVermiG ausdrücklich verboten. Zuwiderhandlungen sind mit der Verhängung eines Bußgeldes von bis zu 25.000,00 EUR bedroht.

Daneben kann bei Durchführung der Adoption durch unzuständige Stellen der Straftatbestand des Kinderhandels gemäß §§ 235, 236 StGB erfüllt sein.

Danach ist auch das unstatthafte Herbeiführen der Zustimmung zur Adoption eines Kindes unter Verstoß gegen die anwendbaren internationalen Übereinkünfte betreffend die Adoption für den Vermittler mit Strafe bedroht. Die Behörden des Heimatstaates haben sich darüber zu vergewissern, dass die Personen, deren Zustimmung zur Adoption erforderlich ist, ihre Zustimmung unbeeinflusst erteilt haben und die Zustimmung nicht durch irgendeine Zahlung oder andere Gegenleistung herbeigeführt worden ist.

Soweit der Vermittler die Zustimmung der Eltern, des Vormunds oder des Pflegers zur Adoption durch ein Entgelt herbeiführt, kann er sich wegen Anstiftung zum Kinderhandel strafbar machen.

Gemäß § 236 Abs. 2 S. 2 StGB ist strafbar auch die Herbeiführung der nach dem jeweils anwendbaren Recht erforderlichen Zustimmung weiterer Personen, insbesondere des Kindes selbst, durch eine Geldzahlung.

 Siehe auch 

OVG Hamburg 18.06.2012 - 4 Bf 135/10 (Keine Verpflichtung von Adoptionsvermittlungsstellen zur Durchführung eines internationalen Adoptionsvermittlungsverfahrens beim gesetzlichen Verbot der Adoption in dem Heimatstaat eines Kindes)

OVG Hamburg 18.10.2006 - 4 Bs 224/06 (Widerruf der Erlaubnis zur Adoptionsvermittlung)

Gerhardt/von Heintschel-Heinegg/Klein: Handbuch des Fachanwalts Familienrecht; 9. Auflage 2013

Horndasch/Viefhues: FamFG-Kommentar; 3. Auflage 2013

Reinhardt: Die Praxis der Anerkennung ausländischer Adoptionsentscheidungen aus der Sicht der Adoptionsvermittlung; Das Jugendamt - JAmt 2006, 325

Roßmann: Taktik im familiengerichtlichen Verfahren; 3. Auflage 2013